25 April 2007

 

Monsterblog - Mittelamerika bis Mexico bis...Muenchen!

Guatemala

Wir wandeln beruehrt durch Guatemala, fasziniert von seinen Gesichtern, begeistert von der Originalitaet; traditionelle Trachten in schillernden Farben, die von Dorf zu Dorf, je nach Region variieren und Maerkte, die diese Farbpracht fast uebertreffen: Fruechte und Gemuese, Masken, Stoffbahnen, Tuecher, bunte Guertel und Silberschmuck, und natuerlich die Trachten selber.
Es ist vorgekommen, dass wir mit unserem Spanisch nicht weiterkamen, weil manche Indigenas nur eine der ueber 20 Maya-Sprachen; ein paar Worte K'iche' (Kitsché), Q'eqchi' (Kecktschí) und Kaqchikel (Kacktschickell) haben wir sogar gelernt, aber dann sofort wieder vergessen. (wer interessiert ist: http://de.wikipedia.org/wiki/Guatemala#Bev.C3.B6lkerung)













Die Menschen sind uns mit neugieriger Offenheit und Freudlichkeit entgegengekommen. Sie scheinen sehr arbeitssam, ob augenscheinlich 5 oder 75 Jahre alt.Manchmal faellt es schwer, das Alter einzuschaetzen; Energie und Lebensfreude, die einem aus alten, ganz faltigen oder aber alten, sehr straffen Gesichtern entgegenscheinen, stehen im Gegensatz zu Jugendlichen, die schon verbraucht aussehen. Alle, so scheint es, muessen hart arbeiten, tragen riesige Saecke Reis, Mais, Bohnen, Cafe oder Orangen. Oder mit einem Holzstapel so hoch, dass du die Person nicht mehr sehen kannst, bis zu 8 Betonbloecke auf dem Ruecken. Sie gehen in der Mittagssonne an dir vorbei, das Gewicht meist durch ein Band vor der Stirn auf Hals und Kopf uebertragen und taeglich sahen wir mehrere Frauen grosse Plastikschuesseln mit Gemuese, Tortillas oder uneinsehbare Ware auf dem Kopf herumtragen - ohne Haende!

Ein liebenswertes Land, das wir jetzt gut kennen, wesentlich besser als Deutschland und wo wir sogar in kurzer Zeit Freunde finden konnten. Ein paar lustige Namen: Chichicastenango (ausgesprochen Tschitschikastenango), Quetzaltenango abgekuerzt Xela (ausgesprochen Ketzaltenango oder Schela), Huehuetenango...





Natur (Belize und Guatemala)


Wir wollten eigentlich auf den erloschenen Vulkan Tajumulco steigen, der mit seinen 4220 Metern der hoechste Punkt Zentralamerikas ist (Mexico gehoert geographisch zu Nordamerika), aber dann sind wir doch nur auf den Santa Maria geklettert, der mich mit seinen 3700 Metern schon ganz schoen geschafft hat. Nie hab ich mich so schwach und unfaehig im Berg gefuehlt wie bei den 3 Stunden Aufstieg, den wir um 5 Uhr frueh begannen, um noch vor Wolkenbildung den viel kleineren, aber noch aktiven Vulkan Santiaguito vom Gipfel aus beobachten zu koennen. Die Lava selbst sahen wir zwar nicht, aber nach Eruptionen stiegen regelmaessig riesige weisse Rauschschwaden auf.
Ein netter Nebeneffekt des vulkanischen Gebiet ist es, dass es heisse Quellen und sogar heisse Wasserfaelle gibt, in denen wir manchmal baden konnten.
In Belize sind wir sogar einen "normalen" Wasserfall runter und einen anderen hochgelaufen, was total irre war! Aufgrund von Kristallbildung, ist die Oberflaeche der Wasserlaeufe so rau geworden, dass man problemlos barfuss grosse Steigungen bewaeltigt, ohne abzurutschen; ein unvergessliches Erlebnis, mit einem 18-Jaehrigen als Guide, der bei jeder 2. Pflanze erklaerten konnte, was fuer eine heilende oder besondere Wirkung sie bei bestimmter Verarbeitung habe..

Durch die vielen Fluesse und Baeche sind im Laufe der Zeit Hoehlen und unterirdische Gangsysteme entstanden, die von Mayas als religioese Staetten benutzt wurden, weil sie den Eingang zur Unterwelt darstell(t)en.
In einer sind wir auf Leitern geklettert, aber nicht, um vor Wasser zu fliehen, sondern um in ausgeschachteten Gaengen bis zu 2000 Jahre alte Tontoepfe und andere Gefaesse zu sehen, viele noch intakt! Mayas hatten sie im Rahmen von Ritualen in diese natuerlichen Hoehlungen gestellt, und vermutlich auch zur Aufbewahrung von Nahrung. Ganz tief unten in dieser Hoehle befindet sich ein grosser Saal, in dessen Mitte ein Altar steht, der kreisfoermig mit Steinen markiert ist und die Luft ist suesslich dick und unangenehm und ohne Taschenlampe herrscht absolute Finsternis.
Wir haben auch einige andere besichtigt, in denen keine Spuren von Mayas gefunden wurden; in einer schwammen wir zum Beispiel mit einer Kerze in der Hand durch ein unterirdisches Flusssystem und sprangen ganz tief drin von einem Wasserfall (alles innerhalb der Hoehle und wenn du die Flamme ins Wasser tunkst, dann geht das Licht aus...).



Viele der Hoehlen erreicht man nur nach einem Fussmarsch durch den Urwald und oft ist es ein im durch den Schlamm-geglitsche, sodass ich mich nach lauter Regenwald und tropischem Klima schon sehr nach Steinen unter den Fuessen sehne...Alpen ich komme!




Mayas

Es klingt verwoehnt, aber wir haben genug von Mayastaetten und -Ruinen! Nach Copan (Honduras), Lumbaatum, Xunantunich (Belize), Tikal (Guatemala), Tulum, Cuichen Itza und Palenque (Mexico), sind wir nicht mehr begeisterungsfaehig fuer all die beeindruckenden Tempel, Pyramiden, Observatorien, Residenzen und Burgen, und natuerlich die beruehmten Ball-Spielfelder. Aber es verschlaegt einem die Sprache, wenn man das erste Mal ploetzlich vor riesigen Gebaeuden steht und man sich fragt, wie die Mayas das gemacht haben, und gar nicht glauben kann man, wenn einem der Guide sagt, dass diese schlauen Menschen weder das Rad kannten, noch irgendeine Form von Metall, und demnach auch keine Metallwerkzeuge hatten. Auch ist es toll, zwischen uebermoosten Gebaeudetrakten der Haeuser des gemeinen Volks rumzustreunen oder sich auf das Steinbett der Herrscher zu legen. Jede Staette hat seine Besonderheiten, Tulum natuerlich das caribisch blaue Meer als Kulisse, Xunantunich die allesueberblickende Burg mit seitlichen Reliefs, die vollkommene Abgeschiedenheit Lumbaantums usw. Aber leider sind die meisten Orte schon komplett ueberfuellt von Touristen wie uns, die am liebsten auf und in den Ruinen rumklettern wuerden, weshalb viele geschuetzt sind und nicht mehr betretbar...
Ausserdem ist die Kultur mit ihrer Zaehlweise und dem anderen Kalender, den Hyrogliphen, den brutalen Spielen, Ritualen und Opfern und Weltanschauungen interessant, zB der Mensch besteht aus Mais, ihrem Hauptnahrungsmittel (wir Weissen sind noch nicht ganz durchgekocht und Schwarze waren zu lang auf dem Feuer...) Aber natuerlich erstreckt sich der Begriff Maya auf ein riesiges geographisches Gebiet, auf einen langen Zeitraum und auf eine Ethnie, die immer noch lebt und immer noch wandert und weder die Braeuche, noch der Glaube koennen verallgemeinert werden, nicht einmal die Namen fuer bestimmte Dinge werden einheitlich benutzt...


Plantagen und Tiere

Wieviele verschiedene Pflanzen und Tiere wir wohl bisher gesehen haben? Schon die, die wie unterscheiden konnten oder zumindest bemerkt haben, sind - fuer uns Laien - unzaehlbar.
Aber mich beeindruckt immer das Obst; Felder, soweit das Auge reicht, voller Bananen, Orangen, trockenem Mais, Cacao, Bambus, Zuckerrohr, essbare Palmen und andere Nutzpflanzen, deren Namen und manchmal deren Nutzen wir nicht kennen...auf Steinboden ausgebreitete Plastikplanen mit vielen Haufen trocknenden Cafes darauf und auch ein Maedchen, das auf den Knien Cafe mit einem steinernen Moerser malt, immer und immer wieder, gutgelaunt! Die Besitzerin eines Hotel warnte mich, lieber nicht direkt ueber den Hof zu gehen, sondern an den Mauen entlang, weil der vielleicht 15 Meter hohe Avocadobaum mich leicht erschlagen koenne: sie sind reif.
Zahllose Voegelchen in allen Farben und Groessen, Voegel, die ihre Nester kopfueber bauen, sodass sie aussehen, wie grosse strohene Tropfen (eigentlich brueten sie im September, aber zu aller Verwunderung, machten sie schon im Januar ihre Nester...Klimawandel?), Leguane von 10 cm bis 1 Meter, mit und ohne Bart oder Kamm, Riesenmeerschweinchen namens Agouti und ein kleines Krokodil und ich hab meine ersten freilebenden Affen gesehen!! Es ist ganz anders als im Zoo, viel besser! (Der Max hat, wie ihr sicherlich wisst, schon Affen, einen Ameisenbaeren und ein Guerteltier in freier Wildbahn gesehen, damals in Costa Rica...)


Naturkrimi

10 cm Durchmesser hat die haarige Spinne, die hinterruecks von einer knallroten Wespe mit knallblauen Fluegeln betaeubt wird und regungslos liegen bleibt. Die Wespe glaubt sich unbeobachtet und versucht die schwere Spinne heimlich durchs Gras zu ziehen ohne eine Spur zu hinterlassen; aber es gibt einen Zeugen! Eine Eidechse schaut scheinbar unbeteiligt zu, tut ganz unbedarft, aber wir vermuten: gleich wird sie losstuermen und die Wespe fressen. Und da! Sie rennt los, aber nicht die Wespe, sondern die bewusstlose Tarantel schnappt sie sich und rast davon, waehrend die Wespe sie im Sturzflug verfolgt (ob sie einen Angriff versucht oder ihre Beute verteidigen will, bleibt unklar), aber sie scheitert.
Wie die Geschichte tatsaechlich ausgeht, ist ungewiss, weil eine Vierjaehrige in Blumenkleid und Gummistiefeln eine durchsichtige Plastiktuete mit Damefiguren und Wasser gefuellt durch die Gegend schleudert und die Eidechse ausser Sicht jagt.


Geld"rationierung" in Guatemala

In Guatemala gab es ein gewisses Problem als wir ankamen, es gab naemlich fast keine Banknoten. Warum, angeblich, weil die Regierung neue drucken lassen wollte und die alten eingezogen hatte, bevor die neuen gedruckt waren. So gaben ploetzlich die Automaten keine Scheine mehr, sondern nur die Schalter an den Banken und das eigentlich nur den Einheimischen mit ihren Lohnscheine. So gab es interessante Situationen und lustige Bilder, z.B. am Montag, den 2. Januar um 8 Uhr frueh auf Antiguas Hauptplatz: gut gekleidete guatemaltekische Mittel- und Unterschicht und lauter ungewaschenen, verknitterte "Gringos", die gemeinsam vor den Banken Schlange stehen.
Mit der Zeit gingen auch viele Geldautomaten wieder, aber immer nur sehr kleine Betraege spucken sie aus, was fuer Reisende ziemlich kostspielig ist, und jede Woche ca Mitwoch, gab es wieder gar nichts mehr und man musste bis Montag warten und darauf hoffen, dass sie wieder gefuellt wuerden.
Interessant war auch, dass wir im Internet ca 2 Meldungen, und eigentlich keine offizielle Stellungnahme zu diesem Problem finden konnten.
Max verglich die Situation mit der Inflation (nach eigenen Erfahrung natuerlich...), weil du zwar Geld hast, aber es dir nichts nuetzt, in diesem Fall nicht, weil es nichts mehr wert waer, sondern, weil du schlicht und einfach kein Zugriff drauf hast. So als wuerden dir deine Eltern das Sparbuch wegnehmen...


Belize

Diese Angelegenheit war nach 23 Tagen erstmal geklaert, als wir montags Geld abheben, unsere Schulden bezahlen und das Ticket fuer den naechsten Tag zur Ueberfahrt nach Suedbelize kaufen konnten. Nach 40 min Bootfahrt, sahen die Menschen natuerlich noch genau gleich aus, aber ploetzlich sprachen sie nicht mehr unsere (haehae!) Sprache, nicht mehr Spanisch, sondern Englisch, und wir konnten uns eigentlich nicht ganz daran gewoehnen, englisch zu sprechen.
Ein etwas anderes Geldproblem kam in Belize auf uns zu, naemlich die Preise: ploetzlich kosteten die Waren umgerechnet bis zu viermal so viel wie auf der anderen Seite der Grenze. Wir waren tatsaechlich ziemlich geschockt und wollten so schnell wieder raus aus diesem Land, in dem mache Lebensmittel mehr kosten als in Muenchen, aber letztendlich blieben wir 2 Wochen und man muss sagen, einige von den beeindruckendsten Naturerlebnissen, haben wir hier gesehen...


Alltag

2 Wochen lang haben wir Busse genommen, die durchschnittlich um 6 Uhr frueh losfuhren (es war jeweils der letzte und spaeteste Bus des Tages, die anderen zwischen 4 und 5), was extrem unangenehm war; Die Busfahrten selbst sind auch alles anderes als gemuetlich, weil sie uralte US-Schulbusse sind, die jegliche Federung in den letzten Jahrzehnten verloren, durch uebermaessige Benutzung nur noch nacktes, zerschlissenes Inventar haben und meistens alle Fenster offen sind oder ueberhaupt nicht zu oeffnen sind - und es gibt keine Klimaanlange.
Das anstrengende an einer solchen Reise ist auch, dass wir fast jeden Tag irgendwo ankommen (und meist sofort die Abreise organisieren muessen), uns ein bisschen in einem neuen Zimmer einrichten und oft am Tag darauf wieder einpacken muessen.
Ausserdem haben wir fast nie ein eigenes Bad und oft genug hatten wir auch in Guatemala und Belize tagelang nur Plumsklos zur Verfuegung, was einerseits laestig war, andererseits war eines direkt im Dschungel und hatte keine Waende, sodass man die Voegel auf vom Klo aus beobachten konnte.
Abgesehen vom Verzicht auf gewohnte Einrichtungen, wie eigenes Bett, Kissen, sauberes Klo mit Klopapier, hatten wir auch manchmal Schwierigkeiten oder Kopfzerbrechen, wie bestimmte Dinge geregelt werden sollen. Sollten wir mehr bezahlen, um eine Kueche zur Verfuegung zu haben und "billiger" essen und selbst kochen zu koennen oder sollten wir versuchen moeglichst viel typisches Essen auszuprobieren und zu geniessen, was den Geldbeutel natuerlich mehr belasten wuerde. Dann war auch lange die Frage, wer was wann bezahlen sollte, bis wir einen "gemeinsamen Geldbeutel" eingerichtet haben, aus dem jegliches Essen und Trinken so wie Dinge, die zur guten Laune beider beitragen, bezahlt werden, was sehr empfehlenswert ist und einem einige Diskussionen und Verstimmungen erspart!!!


Mexico

Im schoenen Mexico, Max' zweiter Heimat, vergeht die Zeit immer so schnell und unkompliziert und wir genossen fast alles
(bis auf draengende Zukunftentscheidungen und Postaemter ohne Briefmarken), vor allem natuerlich die Kueche und das Klima, die Staetde mit engen Gassen voll kleiner Haeuschen in warmen Farben und grossen Kirchen und freundlichen Menschen.
Wir waren lange im Sueden und ein bisschen im Zentrum, letzters war auch fuer den Max neu, und wie jedes Mal ein bisschen in Oaxaca und Mexiko Stadt und haben uns ueberall bei Bekannten und Verwandten eingenistet.
Nikki hat uns im Februar eine weitere Woche "besucht" und uns beim Reisen begleitet. Wir hatten eine sehr schoene und lustige Zeit zu dritt, am Strand, Skat spielend, auf Spaziergaengen, in Ruinen und Hoehlen, mit Tequila und viel Alemañol (aleman+español).


Ende

Damit dieser Blog noch vor unserem Eintreffen in Deutschland ins Netz kommt, nur noch kurz: Von Mexico aus sind wir nach Sao Paolo geflogen, wo wir ein paar sehr nette und familiaere Tage bei unserem AFS-Freund Gabriel und seiner Familie verbrachten. Max konnte endlich mal wieder Fussballspielen, war das eine Erleichterung!
Von dort sind wir ueber die einzigartigen Wasserfaelle von Iguazu (die irgendeinen weltweiten Superlativ beeinhalten) nach Buenos Aires und haben die Stadt erkundet. Es gibt sehr viele wunderbare Jugendstilhaeuser, allerdings ist das Stadtbild ziemlich zerrissen, weil viele von den Gebaeuden auch wieder abgerissen wurden und durch Wohnungstuerme ersetzt wurden, sodass diese angeblich mal so wunderschoen einheitliche und herrschaftliche Stadt viel eingebuesst hat. An Kunst und Kultur ist sie aber nach wie vor sehr reich und im Museo National de Bellas Artes koennte ich Tage verbringen.
Ausserdem hat sich eine Angehoerige meiner weitlaeufigen Familie herzlichst um unser leibliches Wohl gekuemmert und uns viel von der Korruption der Politiker hier (besonders des schon lange regierenden Praesidenten) erzaehlt, wie viele andere, und von dem Boersensturz Ende der 90er Jahre, vor dem der argentinische Peso genausoviel wert war wie der US-Dollar und jetzt nur noch ein Drittel. Oft spuert man die Frustration der Argentinier ueber diese Devaluation, die sie im alltaeglichen Leben beeintraechtigt, nachdem sich all ihre Ersparnisse in Luft aufgeloest haben, ihnen aber vor allem das Reisen, das wir so ausgiebig praktizieren (schlechtes Gewissen...), erschwert oder gar unmoeglich macht. Auch hat uns Gloria einen Einblick nicht nur in die argentinischen "Favelas" ermoeglicht (natuerlich aus dem Auto mit verriegelten Tueren), sondern auch in eine der vielen in sich geschlossenen, kuenstlichen Wohnanlagen, in denen sich viele Familien aus der (seit ein paar Jahren so stark zurueckgegangenen) Mittelklasse ihre "heile Welt" erhalten. Ihre Kinder wachsen sehr behuetet neben Golffeld und Pferdekoppel auf, ohne viel von der Aussenwelt und ihren Problemen mitzubekommen (Menschen, die in Hauseingaengen naechtigen und sich ihren Lebensunterhalt dadurch verdienen, dass sie nachts im Muell Dinge, meist Karton, sammeln, die man in den Provinzen noch verkaufen kann, oder die Demonstrationen, die in Buenos Aires fast auf der Tagesordnung stehen etc). Dieses Lebensmodell ist relativ neu in Argentinien und, Gloria zufolge, besonders im Bezug auf den drohenden Verlust des Realitaetsbewusstseins dieser Kinder und damit ihrer wohl schwierigen Zukunft umstritten.


...in Sicht

Allerdings draengt es uns jetzt schon sehr nach Hause und so statten wir nur noch Max Freund Pucho in Paraguay einen Geburtstagsbesuch ab, bevor wir schon (unglaublicherweise!!!!) naechste Woche endlich wieder in heimatlichen Gefilden landen.

Auf der Reise habe ich mich sehr veraendert: meine 2 letzten Weissheitszaehne kriechen gerade aus ihren Ecken (oder kommen bei mir aufgrund der unglaublichen Weisheit vielleicht noch mehr...?) und ich bin so braun wie noch nie zuvor in meinem Leben, weshalb der Max mich jetzt Clara Negra nennt. Mit dieser neuen Sichtweise auf das Leben muss ich nur noch irgendwo (in Deutschland oder Innsbruck) einen Studienplatz fuer Medizin bekommen, mich daran erinnern, was es heisst, aus Buechern zu lernen und mich daran gewoehnen, an einem Ort zu bleiben. Also, wenn einer von euch schon verstanden hat, wie ZVS funktioniert, dann melde er sich doch bitte bei mir, weil ich sonst vielleicht nie studieren werde.
Dem Max stehen alle Tueren offen, der muss sich nur noch entscheiden, was er studieren moechte. Einige Dinge stehen fuer ihn jedenfalls fest: er wird weder Maler noch Friseur und ich sollte nicht ueber die Zukunft schreiben.

Ich freue mich schon so darauf, euch "en vivo" in den Arm nehmen zu koennen. Bis dahin, eine atemberaubende virtuelle Umarmung!
Clara

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