23 Dezember 2006
Ende November bis Honduras
Ihr habt vielleicht schon gehoert, dass es in Mexico zur Zeit viel Aufruhr gibt, 1. weil die Wahlen mal wieder manipuliert worden sein sollen und sogar mehr Stimmen gezaehlt worden sind als es Wahlberechtigte gab, sodass der Praesident hoechst wahrscheinlich unrechtmaessig diesen Titel traegt. Ausserdem
ist seit ueber einem halben Jahr das Zentrum der Stadt Oaxaca von regierungs-oppositionellen Gruppen besetzt. zuerst waren es ueberwiegend streikende Lehrer aus dem ganzen Staat Oaxaca, die um bessere Bezahlung "baten", mittlerweile sind es viele verschiedene Menschen, die reklamieren, dass der Governador einiges Geld anders verwendet habe als vorgesehen war und dabei einiges selbst eingestrichen hat.
Als wir bei der ehemaligen Gastfamilie von Max in
Am Samstag den 26. November wollten die oppositionellen Gruppen (genannt Appo) die Orte wieder einnehmen, von denen sie vor ein paar Wochen durch Militaer vertrieben worden waren, was hauptsaechlich aus dem Zentrum von Oaxaca Stadt besteht. Von unserem dortigen Zu hause (Max' ehemalige Gastfamilie) hat man die ganze Nacht lang Sirenen, aber auch viele Knaller und vielleicht Schuesse gehoert. Es sollen ziemlich viele (gewalttaetige) Aufstaendige festgenommen worden sein und in den Nachrichten hat man ueber diese nur als "Objekte" und "Individuen" gesprochen.
Tags drauf waren wir noch im Zentrum und es sah gruselig aus; kein einziges Auto war geparkt, weil die vorigen abgebrannt sind, auf den Hauptstrassen war jedes einzelne Fenster eingeschlagen, zT angezuendelte Waende und alle 5 Minuten kam eine Karawane von 4 Pickups voller Polizisten auf der Ladeflaeche mit Schildern und Gewehren vorbei...
das komischste war, dass man die ganze Zeit total verschiedene Informationen bekam; die Appo ist ganz unschuldig und wird grundlos von den Polizisten niedergepruegelt, vergewaltigt, festgenommen und wahllos mit Traenengas vollgesprueht. auch die Fenster sollen von den Polizisten eingeschlagen worden sein, um spaeter zu behaupten, die anderen seien es gewesen. andere sagten wiederum, die Appo sei gekauft, oder es sei ein Spiel oder es seien Kinder, die unter geschenkten Drogen stehen und sie wuerden die armen Polizisten gnadenlos provozieren, mit Feuerwerkskoerpern aus sie schießen, und jene befolgten ganz brav und demuetig den Befehl, sich nicht zu ruehren. also: quien sabe!
Abgesehen davon konnten wir den Aufenthalt aber trotzdem geniessen und sahen Max’ Freunde Arturo (wenn auch nur kurz), Marianne und Ursula. Letztere hat uns auf ein Open-Air Konzert auf einem stillgelegten Bahnhof mitgenommen; neben Rock wurde auch Salsa gespielt, waehrend die Zuhoerer (und Taenzer) auf den Schienen sassen (bzw tanzten) – ziemlich atmosphärisch und das alles als friedvolle Unterstuetzung der Appo. Ausserdem hat Ursula (sie studiert Kunst) uns an einen wunderschoenen Ort entfuehrt: ein Kulturzentrum etwas ausserhalb der Stadt Oaxaca. Dort kann man Kurse belegen, um verschiedenste Kuenste zu erlernen; wir haben diesmal nur eine Ausstellung angesehen und ohne Kurs Fotos geschossen...

Als kleines Beispiel fuer die Farben, die hier so warm sind, dass ich schon beim Hinschauen ins Schwitzen komme.
Nach wenigen Tagen in Oaxaca sind wir auch schon wieder losgezogen: gen Sueden.
Insgesamt waren es um die 28 Stunden Bus, die wir in 2 Tagen bis Honduras hinter uns gebracht haben, aber die ganzen Details werd ich euch ersparen. Nur die Grenze von Mexico nach Guatemala war crass, denn so viele Leute wollen dir „helfen“, in dem sie dir das Geld zu viel besserem Kurs wechseln oder indem sie uns viel schneller ueber die Grenze bringen, dadurch, dass sie mit unseren Paessen weglaufen, sich bei der Einreise an allen vorbeidraengeln und dafuer ein saftiges Trinkgeld verlangen, obwohl wir sie um nichts gebeten haben. Aehnlich war die Ankunft in Guatemala City, was das Gefuehl der Ueberrumpelung und Desorientierung angeht. Unueberschaubarer Strassenverkehr, Brautkleid-Laeden und Moebelausstatter aneinander gereiht ueber gefuehlte zig Kilometer dunkler Gassen. Danach natuerlich wieder ins falsche Taxi, aber mit einem Freund: einem Honduraner vom Land, der – wie sich spaeter herausstellt – gerade auf dem Weg nach Hause ist, nachdem er ein Jahr in Texas gearbeitet hat, als „Mojado“, also als illegaler Einwanderer. Der Taxifahrer wollte uns fuer den 8-fachen Preis als wir dann tatsaechlich fuer den Billig-Bus bezahlt haben zur Grenze bringen, weil wir viel guenstiger damit fahren wuerden...aus Unschluessigkeit sind wir dann mit unserem neuen Freund Thomas in einem Luxushotel abgestiegen, in dem wir fuer 3 Leute ein riesen Zimmer mit 4 Doppelbetten bekamen. Am Abend erzaehlte uns Thomas, wie er an der guatemaltekischen Grenze zu Mexico von den Grenzpolizisten sein gesamtes Geld abgenommen bekommen hat und sich dann bettelnd durch Mexico durchgeschlugt, bis er dann nachts durch den Fluss geschleust und direkt auf eine Farm gebracht wurde, unter der Bedingung 1000 Dollar in Raten zurueckzuzahlen. Nach einem Jahr jeden Tag zwischen 9 und 14 Stunden Arbeit (Ziegelsteine brennen, wenn ich’s richtig verstanden hab), hat er wohl genug, in zweierlei Hinsicht, und besteht darauf, uns zum Abendessen einzuladen, bevor er seine Familie mit seiner Rueckkehr ueberraschen wird.
Um 4 Uhr Frueh nehmen wir dann ein bestelltes Taxi und fahren um halb 5 zur honduranischen Grenze los. Kurz bevor wir dort ankommen, muessen wir allerdings umsteigen in ein so genanntes Collectivo, eine Art Sammeltaxi, um tatsaechlich hin zu kommen; der Grenzer laesst sich alle Zeit, um unsere Paesse abzustempeln, sodass wir dem Bus hinterherrennen muessen, der schon mal um die Ecke gefahren ist, um uns seine Eile klarzumachen. Das schlechte an den billigen Bussen sind die Leute, die ihre ganz eigenen Gerueche mitbringen; der Vorteil ist allerdings, dass man die Fenster oeffnen und einem so der Wind durch das Haar sausen kann. Ich geniesse es solange, bis ich erschoepft aufwache und das, was ich vorher als Gefuehl der Freiheit beschreiben wollte, ploetzlich als zuegellose Gewalt empfinde, die mich in ihrer Ungebaendigtheit bedroht, waehrend die zunehmende Schwuele mich niederdrueckt. Noch eine Taxifahrt und dann sind wir sicher im Mall – der Ort in Honduras, an dem man sich am meisten aufhaelt. Eine Nacht bei unserer ausgeflippten Verena in San Pedro Sula, dann eine weitere Busfahrt von 6 Stunden mit mehr AFSern (darunter die liebe Sascha) und dann ein paar Stunden im Mall, wo wir auf die restlichen AFSer warten.
Fuer Max sind es die ersten Eindruecke von Honduras: Malls, lauter Verkehr, alles ist dreckig und Markt herrscht staendig auf den Strassen. Ein Taxi ist keines, wenn es nicht durckgehend hupt!
Abends gehen wir in der „Party-Stadt“ von Honduras aus, mehr oder weniger ernuechternd, etwas angsteinfloessend und ziemlich mitleiderregend, wenn man sich ueberlegt, wie alt das schoene Maedchen in kaum einem Fetzen von Minirock wirklich ist, die uns den ganzen Abend begleitet und wie gut sie die 2 aelteren Westler mit Wampe wohl schon kennt, mit denen sie gequaelt tanzt.
Am Tag darauf trennen wir uns das erste Mal von einander fuer mehr als ein paar Stunden (was eigentlich auch erst einmal vorgekommen ist, weshalb mir wohl 3 Tage schon wie eine Ewigkeit vorkam). Ich halte es nicht mehr aus, in Honduras zu sein, aber nicht bei meinen Freunden und meiner Familie, deshalb nehme ich zur Abwechslung einen Bus und fahre 7 Stunden bis nach Tegucigalpa: der Hauptstadt von Honduras, in der ich fast ein Jahr gewohnt hab.
Max amusierte sich die naechsten Woche mit den „Jungtieren“ auf der Insel Utila, und genoss den Tauchkurs sehr.
Meine Ankunft war eine Ueberraschung fuer alle, was auch ich nicht erwartet hatte, denn ich richtete es meiner Gast-Grossmutter aus, nur leider hat sie Alzheimer. So waren meine Mutter, meine Schwester und ich wenigstens den Traenen sehr nahe, als ich ploetzlich wieder in diesem freundlichen Haus voller lebensfroher Menschen stand. Seit 10 Monaten geht es hier sogar noch lauter zu, weil ein verrueckter Schweizer namens Jonas (AFS) und ein lieber Daene die Familie ergaenzen und das Zimmer ausfuellen, das sonst meinem Bruder Tito gehoert, der gerade mit AFS in Japan ist, wo wir ihn besuchten (siehe Japan 2). Ueber meine Schwester Keren hab ich mich besonders gefreut, denn sie ist wunderbar laut und sprudelnd wie eh uns je.
Auch meine Freunde wiederzusehen war ueberwaeltigend. Die Leichtigkeit des puren Seins mit ihnen ist unbeschreiblich und es ist kaum zu fassen, dass es noch fast alles gleich ist, nur dass alle ein bisschen aelter sind und ein bisschen dicker (im Gegensatz zu mir, denn alle fragen mich ganz erstaunt, wie ich so viel abnehmen konnte oder sagen gleich, dass ich ja ziemlich dick hier weggefahren waere). Ausserdem gehen sie jetzt in die Uni, Yunior wohnt viel naeher als frueher, aber musikliebend sind sie immer noch wie frueher (ich hab sie auf einer Art oeffentlichen Musikgymnasium kennengelernt).
Es hat sich nicht sehr viel veraendert, seit ich vor 2 einhalb Jahren hier abgereist bin. Neue Malls wurden gebaut, der Lempira (die hiesige Waehrung) ist gestiegen (sogar als wir hier waren sind in den Cafes jedes Produkt um einen Lempira teurer geworden) und meine Freunde sagen, dass es gefaehrlicher geworden ist, weshalb weniger Leute den Bus nehmen und sich stattdessen im Taxi fortbewegen. Ich hab keinen grossen Unterschied gemerkt, im Gegenteil fand ich es angenehmer in den Strassen, weil das Hinterherrufen und –pfeifen scheinbar abgenommen hat (was aber nur daran liegt, dass ich so gut wie nie ohne maennliche Begleitung das Haus verlasse). Gestern allerdings sass Max mit ein paar Freunden am fruehen Nachmittag im Bus und ploetzlich stiegen zwei Maenner vorne ein und hielten die Haende auf, und nahmen den Leuten in den ersten Reihen Geld und Taschen ab. Als die ersten Passagiere hinten anfingen aus dem Bus zu springen, liefen auch die 4 Jungs los und flohen ueber den Hinterausgang waehrend der Bus langsam weiterfuhr. So wurden sie zum Glueck nicht direkt mit den Raeubern konfrontiert, was vielleicht auch in der Hinsicht gut war, als dass sie gar nichts zu geben hatten, weil sie in Sportkleidung und voellig verschwitzt vom Fussballspielen kamen und man nie weiss, was passiert, wenn augenscheinlich Reiche nichts geben koennen.
Vorsicht muss man also schon haben, aber heute bin ich schon wieder alleine Bus gefahren. Angeblich kommt es auch auf den Bus und seine Herkunft, bzw. sein Ziel an.
Sonst habe ich die paar Tage hier sehr genossen, viele alte Erinnerungen an Geschmaecker, Gerueche und Geraeusche wieder aufleben lassen, mit meinen Freunden in alter Tradition gefeixt und auch viel mit dem Schweizer Jonas, dem Daenen Simon und dem Weisenjungen Fernando, der hier immer Weihnachten verbringt, unternommen, was immer ziemlich chaotisch und lustig ist. In der Kirche waren wir schon mit der Familie und ich hab mit Max’ Hilfe fuer 12 Personen Kartoffel-Blumenkohl-Brokkoli-Auflauf gekocht. Max hat „Auflauf“ ins Spanische ungefaehr als „Vereint euch rennend!“ uebersetzt.
Aber es gehen mir schon einige Sachen wieder auf die Nerven; Das Leben hier scheint mir nach einer Weile immer so brutal, vermutlich auch weil es bei vielen am Rande der Existenz ablaeuft und es kein Bedarf an, denn keine Zeit und kein Gefuehl fuer Ruhe und Unversehrtheit gibt. Ununterbrochenes Gehupe und Hundegeklaeffe, das staendige Klopfen der „Busfahrerassistenten“ an die Buswand, der Fernseher als notwendige Geraeuschkulisse im Hintergrund und irgendwann auch das Gesinge der Kirchenlieder zehren an meinen Nerven und ich moechte eine Nacht durchschlafen ohne das Gefuehl zu haben, ich laege auf der Haupt-Rollbahn des Flughafens Franz Josef Strauss, weil wir an einer der Hauptstrassen Tegucigalpas wohnen. Ausserdem wohnt jetzt auch die Grossmutter hier, weil sie Alzheimer hat, was sehr tragisch fuer sie, aber auch fuer alle anderen ist. Sie ist die Erzchristin und nervt alle unglaublich mit Bibelspruechen und Ermahnungen, Belehrungen und Fragen, ob man diesen Spruch oder jenen Psalm schon auswendig gelernt hat, ob man Christo schon in sein Herz eingelassen hat usw...das schlimme ist, dass sie sich halt nicht daran erinnert, dass wir das alles schon zigmal durchgekaut haben und deshalb kommt sie jeden Tag mit exact den gleichen Dingen von neuem an, was mich echt anstrengt.
Andererseits gibt es immer noch so viele Leute, die ich sehen, Dinge, die ich hier machen und dem Max zeigen wollte, dass es mir ziemlich knapp vorkommt, naechste Woche schon wieder weiterzufahren, aber die Zeit draengt. Der Abschied von meinen Freunden wird auch ziemlich bitter, weil ich tatsaechlich nicht weiss, wann ich wiederkommen werde und es sehr unwahrscheinlich ist, dass einer von ihnen mich besuchen wird.
Am 19. Mai muss ich in Ulm sein, weil ich mich kurzerhand fuer den MTS (ein Test, der bei Bestehen die Chancen, an baden-wuettembergischen Unis angenommen zu werden, vergroessert) angemeldet hab, nachdem mich die Johanna mit Info ueber das Medizinstudium versorgt hat. Eigentlich wollte ich nur gucken, was die bei der Anmeldung so wissen wollen und schon hatte ich das Formular abgeschickt. Das heisst, dass ich es wohl ernst meine mit der Medizin und ihr mich spaetestens Anfang Mai wieder sicher um euch habt. Irgendwo bin ich froh um einen Zeitrahmen und auch, dass er (in meinen Augen) ziemlich knapp ist, denn es ist auch anstrengend. Wir liegen extrem zurueck in unserem urspruenglichen Zeitplan, was ok ist, weil wir dafuer ja laenger irgendwo anders war, aber letztendlich wird leider sehr wenig Zeit fuer Suedamerika uebrigbleiben, sodass ich auch dorthin zurueckkehren wollen werde.
Heute faengt mein zweites von 4 Jahren Probezeit mit Fuehrerschein an, obwohl ich schon allein in Neuseeland ueber
Ich hoffe, ihr macht euch ein paar gemuetliche Feiertage und habt einen guten Rutsch ins neue Jahr und bitte verzeiht, dass ich es nicht geschafft hab, euch das auf Papier zu wuenschen
Viele liebe Gruesse und den ein oder anderen Kuss,
Clara




(2 Mal Oaxaca, das Kulturzentrum mit Ursula und 2 Mal Honduras: Santa Lucia mit Aminta)
05 Dezember 2006
USA
In den naechsten Tagen haben wir verschiedene Ausfluege an der Kueste gemacht und sind einmal in der San Francisco Bay Segeln gewesen. Fuer koestliche Abendessen hat Papa Zoltan wunderbar gesorgt.
Versuesst wurde uns die Zeit mit der Anwesenheit von Max' Freund Nikki, den er ueber AFS in Mexico kennengelernt hat und der gerade sein FSJ (Freiwilliges soziales Jahr) in South Dakota (bei AFS, oh Wunder) hinter sich bringt und uns besuchen kam (Foto!). Gemeinsam sind wir durch San francisco gelaufen und haben auch Alcatraz, das Hochsicherheitsgefaengnis (Foto), angeschaut, was ziemlich gut war, denn die Audiofuehrung, die im Preis mitinbegriffen ist, ist sehr gut gemacht und erinnert an eine Kassette von den 3 ???, die man aber selbst mitverfolgen kann.
Mit Nikki und der WG sind wir dann ein Wochenende durch wunderbare Herbstlandschaft nach Portland, Oregon gefahren, wo ich den Genuss hatte, meine liebenswerte Grosstante Anita (Foto) und ihren Mann Marvin zu besuchen, die ich seit 8 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Es war sehr interessant, Geschichten ueber meinen Grossvater vaeterlicherseits zu hoeren und darueber, wie es fuer meine Grosstante war, mit 17 Jahren alleine in die USA auszuwandern. Aber auch hier war mir die Zeit natuerlich nicht genug!
Nachdem Nikki wieder abgeflogen war, sind Max und ich nach L.A., wo wir zuerst Korbinian gesuchten, der gerade sein Auslandsjahr mit AFS im Orange County verbringt. Er hatte uns eine Familie organisiert, die uns in ihrem riesen Haus mit Pool, Jacuzzi und 2 wurschtartigen Hunden offenherzig aufnahm. Korbi ist zum Glueck noch genauso durchgeknallt wie liebenswert wie wir ihn auf Deutschland weggeschickt haben udn gibt sich alle Muehe, Ami zu werden und so hat er uns einen Tag lang stolz durch seine High-School geschleust, was fast eine AFS-Erfahrung an sich war...ziemlich unuebersichtlich so eine Schule mit 2000 Schuelern! 'The O.C.' ist sehr aesthetisch, waer aber nichts zu leben fuer mich, sorry Korbi!
Danach haben wir unsere liebe Freundin Anais besucht, und es war so schoen, sie wiederzusehen! Wir haben sie ein paar Tage lang begleitet, sind mit ins Restaurant gegangen, in dem sie arbeitet und waren 2 Tage in der Uni, wo wir Franzoesisch und Italienisch mitgelernt haben, denn sie studiert Sprachen. Dort haben wir ihre Freundinnen kennengelernt und mit ihnen sind wir ans Meer gefahren. Bei Sonnenuntergang haben wir zufaellig einen Delphin springen sehen...Holywood und Universal City hat und die Anais auch noch gezeigt, was ganz witzig war, aber ohne Anais haetten wir uns vermutlich gelangweilt.
Ansonsten fanden wir L.A. als Stadt nicht sehr sehenswert; das Hauptproblem ist, dass es so schwer ist, sich zu bewegen, weil es sich so viel land erstreckt und der oeffentliche Transport katastrophal ist. an einem Tag sassen wir in 17 verschiedenen Verkehrsmitteln! Allergings ist es auch ganz spannend die ganzen Leute zu beobachten, so viele Latinos, die um sie Wette quatschen und viele Schwarze, die einfach lauthals in der U-Bahn singen oder rappen...
Zurueck nach San Francisco sind wir mit dem Zug an der Kueste entlang und hatten noch 2 schoene Tag in der WG mit einem 2. Thanksgiving Truthahn und sogar Karaoke am Abend des Abschieds!
Landschaftsbeschreibungen und Gedankenschnippsel
Es gab viel kalten Regen trotz Frühlingserwartung
Besonders am Anfang war die Landschaft oft nur braun, viel gelb und manchmal nur blasses rosa; dann ab und zu krachertes Pink an Blueten am Strassenrand (wenn wir mal durch ein Dorf fahren) und vorsichtiges Gruen an den Spitzen von Bäumchen.
Unzählbare tote Eichhörnchen, Hasen und noch mehr Opossums, die hier eine regelrechte Plage sind, liegen auf der Fahrbahn und locken den ein oder anderen Aasfresser, meist ziemlich grosse Vögel, auf die Strasse. Es ist traurig und wenn man weiss, wie weich das Fell der Tiere ist, möchte man sie am liebsten nochmal streicheln, aber die grosse Anzahl an toten Tieren zeugt ja von einer noch größeren Anzahl von lebenden, also ist es schon nicht mehr so schlimm.
In Japan kamen mir die Leute manchmal sehr kontrovers vor: einerseits haben sie sich nicht mal getraut "Entschuldigung" zu sagen, wenn sie auf der Rolltreppe an dir vorbei wollten, andererseits kommt man in die renomiertesten Restaurants hinein, nur um angebruellt zu werden, sobald man ueber die Tuerschwelle tritt. die Toiletten haben Apparate instaliert, die die Klospühlung simulieren, nur damit man das Pinkelgeräusch nicht hört und dann laufen in der Fußgängerzone lauter 15-Jährige Mädchen in Dienstmädchen-Verkleidungen herum, deren Röcke sehr knapp sind, und lassen sich posierend von lüsternen älteren Herren fotografieren.
Hier dagegen ist die Landschaft extrem (in unserem Wohnwagen haben wir wenige Neuseelaender kennengelernt...), denn es scheint keine Übergänge, Kompromisse zu geben, ich hab das Gefuehl Purheit und groesstes Chaos herrscht die ganze Zeit; die Bergrücken reihen sich hintereinander, sehen neblig aus und sind doch gestochen scharfe Umrisse, jeder einzelne. sanftes grünes Weideland mit Schafen soweit das Auge reicht, und wenn man sich umdreht steile Klippen gegen die ein tosendes Meer wütend anrauscht, nur angekuendigt durch einen Wind, der die letzten 50 km schon an unserem Wagen rüttelt und ihn hartnäckig versucht, von der Strasse zu schubsen.
oder nach einem Augenblinseln sind die Nebelschwaden, die einem den Morgen verdüstern, ausgetauscht gegen eine unerbittliche Sonne und damit ein dreckiges Meer mit schwarzem Sand gegen einen blauen Strand.
Schneebedeckte Fiorde greifen durch senkrecht abfallende Felswände, die noch mit dichtem Buschwerk bewachsen sind, in die stille, schwarze See hinaus.
Fuer alle, die Oberaudorf kennen:
Kehrt man dem Meer den Rücken und fährt 2, 3 Km ins Land, denkt man, man sei in Ebbs, im Inntal. Das erste Mal sind die Kühe nicht wie bisher in einer Landschaft, die von Playmobil (womit ich nie gespielt hab) erschaffen scheint, einheitlich lackiert in einer der Farben schwarz, weiß oder braun und stellen sich an einem unübersehbaren Ort (sie bevorzugen Bergrücken) repräsentativ auf, sondern sie sind gefleckt und liegen gemütlich auf der Wiese rum. Vor einem baut sich der 3. und 4. Kaiser auf und die frischen Felder. Nur sind die schoenen Haflinger hier dunkel braun und wenn man den Kopf dreht, glitzert dort, wo man den Inn vermutet, das Meer bis zum Horizont.
Bei unseren Wanderungen war es ab und zu sehr frustrierend, solch ästhetische Perfektion hinter den Massen von weißer Feuchtigkeit zu wissen, wenn man die Wonne, die Landschaft anzusehen, schon hatte. Sie lässt einfach nichts zu wünschen übrig: Seen, Wind, flaches oder hügeliges Grasland mit friedlichen Tieren (darunter gerade sehr viele Jungtiere), runde Hügel, braune, rote und orange Berge, Felswände. alles was das Naturherz nur begehren kann.
wir haben uns auf der Suedinsel einen Wanderfuehrer gekauft und haben viele kleine und ein paar grosse Wanderungen gemacht, was wir sehr genossen haben. Manchmal kommt man einem Land nur so naeher, gerade wenn man mit den Leuten nicht richtig in Kontakt kommt.
Es war aeusserst schmerzhaft, "unseren Wicked" am Ende wieder abzugeben, weil er wirklich ein kleines gemuetliches Zuhause geworden war und wir auch schon rutiniert darin waren, auf einer Gasflamme zu kochen (wenn wir uns nicht von Muesli mit H-Milch oder Muffins ernaehrten) und aus einer Kuehlbox mit Eiswuerfeln immer wieder eine "Tiefsee" zu machen, in denen unsere Joghurts oder Nudelsaucen schwammen. ausserdem haben wir festgestellt, dass man sich in einem Monat auch nicht haeufiger als 5 oder 6 Mal zu duschen braucht.
Abgesehen von diesen ganzen schoenen Erinnerungen hab ich auch noch ein paar ziemlich unangenehme auf Lager, die sich um Behoerden und Buerokratie drehen, weil ich doch einen neuen Pass beantragen musste und weil dieser temporaer ist, musste ich zusaetzlich ein kostspieliges US-Visum beantragen, was mir noch mehr Scherereien einbrachte. Ohne Max' Unterstuetzung und Einsatz saesse ich vermutlich immer noch heulend in Neuseeland. jetzt dagegen hab ich einen gruenen Pass im Gegensatz zu euch allen (der die schrecklichsten Fotos enthaelt, die je von mir gemacht wurden) und ich kann die naechsten 10 Jahre immer wieder umsonst fuer 6 Monate in die USA; Juhu! eine der wenigen Sachen, die ich fuer diese Periode meines Lebens sicher nicht geplant hatte.
