01 September 2006

 

Malaysia: von KL nach Peneng

Malaysia ist uns, das muss ich leider sagen, immer noch fremd. das heisst nicht, dass es nicht interessant ist, ganz im Gegenteil; es scheint so vielschichtig und facettenreich, das wir nie ganz bis zum Boden eintauchen koennen, wenn es tatsaechlich um "die Kultur" geht, vielleicht auch einfach weil sie als solche Einheit gar nicht existiert...
es gibt hier so viele Ethnien (Malaien, Chinesen und Inder, mittlerweile auch immer mehr Pakistani und Nepalesen) und damit so viele verschiedene Reliegionen (Hinduismus, Taoismus Islam, Sikhs, Christentum und Buddhismus), die mit- aber auch viel nebeneinander leben. Wie ganz selbstverstaendlich (schoen waer's, wenn uns das nicht als Widerspruch erscheinen wuerde) liegen hier immer die Moscheen, die buddhistischen (verschiedene Arten!) und indischen Tempel neben einander, manchmal steht auch noch eine Kirche daneben, und die meisten Leute, mit denen wir in Kontakt kommen, koennen Englisch, Malay, und dann entweder mindestens 2 (bis zu 5) chinesische Dialekte oder indisch dazu. das heisst, wenn wir wieder mal nach dem Weg fragen, koennen wir uns nie sicher sein, in welcher Sprache es eigentlich angebracht waere und wir koennen auch nicht, so wie in Japan, bestimmte Floskeln auswendig lernen und diese frohgemut immer anbringen, weil unser Gegenueber sie nicht unbedingt verstehen muss. Diese vielen verschiedenen Kulturen machen das Essen umso abwechslungsreicher, was wir natuerlich sehr geniessen.
Ausserdem scheinen die hier fast alle Landschaftsformen zu haben: von der Gross- und Hauptstadt KL sind wir ja erstmal in den Dschungel, der meinen Vorstellungen vom Amazonas sehr aendelte, danach waren wir auf den paradiesischen (Inseln) Pulau Perhentian (wo uebrigens auch der Film "The Beach" gedreht wurde) und anschliessend sassen wir bei ca 10 Grad und einem "cup of tea" im landwirschafltichen Zentrum Malaysias namens "Cameron Highlands", wo so gut wie jede Frucht und jedes Gemuese, das es in Malaysia und Singapur zu kaufen gibt, wuchs. Dort haben wir eine Teefabrik besichtigen koennen und kraeftig Tee eingekauft und waren im Anschluss nochmal im Urwald spazieren, allerdings in einem viel kaelteren und feuchteren, in dem uns dann noch einmal der Regen den Regenwaldes ueberraschte; aber hier gibt es zum Glueck auch wieder warme Duschen...

Aber jetzt zurueck zum ersten Dschungel (welcher uebrigens der aelteste der Welt ist, weil er angeblich noch nie zerstoert wurde, nicht einmal von der Eiszeit soll er Schaden genommen haben... ), dem Taman Negara Nationalpark. In dem Touri-Dorf nach einer wunderbar entspannenden Fahrt auf einem dieser lehmfarbenen Fluesse angekommen, entschlossen wir uns kurzerhand am naechsten Tag einen 3-Tage, 2-Naechte-Tour durch den Urwald mit Fueher mitzumachen.
Die erste Nacht in der unvorstellbar gigantisch grossen Hoehle unversehrt ueberstanden; den Affenschreien in unserer Hoehle gelauscht, wunderbare, riesige Elefantenkacke en masse gesehen und sogar einen Tiger-Fussabdruck! ja, ihr duerft beeindruckt sein! Viele Voegel gehoert, einen grossen gesehen und von Ferne auch einen Kakadu-Verwandten. An Lianen haben wir uns gehaengt und ich bin auf einem Baumstamm ueber eine "Schlucht" balanchiert. ausserdem bin ich fast gestorben vom Geruch in der "Hoehle der 1000 Fledermaeuse" und ein Blutegel hat auch seine Spuren an meinem Arm hinterlassen. die groesste Herausforderung war allerdings der Geruch, den die 5 Jungs, die mit mir waren, ausgestroemt haben. 2 aus Hollland (neue Rechtschreibung?), einer aus England, unser Guide und natuerlich Max. Gerueche jedoch alle relativ aehnlich...
Nach dem zweiten Tag Marsch durch den Dschungel, hatten wir es uns gerade neben unserem Lagerfeuer im Sand neben dem Fluss gemuetlich gemacht, als es leise zu troepfeln anfing...gerade langsam genug, sodass wir noch die "Huette" im Dorf der "local people" namens Orang Asli erreichen konnten, wo wir schlafen sollten. von drinnen konnte man zuhoeren, wie es immer lauter, die Tropfen immer heftiger prasselten und doch bin ich bald eingeschlafen, um mitten in der Nacht von Wasser auf mir geweckt zu werden, weil das Dach dem Regen nicht standhalten konnte...es waren Unmengen von Wasser, und am Morgen fand man dementsprechende Spuren auch draussen: ein ca 50 cm tiefer Graben hatte sich in den Sandberg hineingefraest und ein wenig unterhalb am Strand stand eine von den Huetten, relativ platt und verlassen, nur auf einer gespannten Schnur daneben hingen verschiedene Tuecher und Stoffe zum Trocknen. wir hatten natuerlich auch nichts trockenes mehr, nur das mehr oder weniger feuchte, was wir beim schlafen (und meist auch die letzten 2 tage) anhatten; feucht, wohl vom Flusswasser, das am Tag zuvor bei der rasanten Fahrt ueber den Strom zu uns ins Boot spritzte und noch nicht wieder richtig getrocknet war, oder vom eigentlich permanent anwesenden Schweiss, der ber der Feuchtigkeit hier einfach unvermeidbar ist.
Am morgen wurde uns dann gezeigt, wie die Einheimischen ihre Blasrohre benutzen und mit Ratan (oder heisst es Rotan?) und anderem Holz ein Feuer entfachen. Wir durften auch mal probieren und Feuer haben wir vereint sogar hinbekommen, aber fast keiner hat das Ziel, das ca 25 m entfernt war, mit den kleinen Pfeilen getroffen. Zwei der Jungs haben Blosrohre gekauft, waehrend man mir ein ca 1-jaehriges Kind auf den Arm setzte. Sie kaute an einer dieser asiatischen Instantnudeln (allerdeings roh) und war erst ein bisschen eingeschuechtert, dann guckte sie uns interessierter an. was ich nicht ganz verstanden habe, war, dass die Leute so dunkel waren und eigentlich auch Haare hatten, die wir als "afro" bezeichnen wuerden. also wenn ich ein Bild gesehen haette, ich haette geschworen, es seien Afrikaner, auch wegen der lustigen Tonsuren... (gerade bei Wikipedia nachgeguckt, aber es war auch nicht sehr aufschlussreich: sie seien nachgewandert, was auch immer das heisst!)
Ach, und weggelaufen sind mir die fuenf Jungs im Regenwald immer fast, sodass ich das Dschungel-Pflanzen-Chaos insgesamt leider nicht so richtig betrachten konnte. Aber eine super Tour war es trotzdem und ich war eigentlich ein bisschen enttaeuscht, danach wieder im "touristischeren Nest" zu sitzen, welches immer noch 2 Stunden im Bus bzw 3 im Boot vom naechsten richtigen Dorf entfernt ist...

Am Tag nach der Rueckkehr aus dem Wald sind wir dann los zu den Perhentian Islands, allerdings hatte ich Durchfall, endlich. Ich fand es echt lustig, eigentlich; es war, als haette ich die ganze Zeit darauf gewartet und ich war fast stolz auf ihn, weil ich es als Initiation sehen konnte; ich meine, was ist eine Weltreise ohne Durchfall? Nach Einnahme von Medizin war es auch nicht mehr schlimm, aber die Fahrt mit dem Bus durch den Regenwald war alles andere als lustig, aufgrund der sogenannten Strassen und dem Fahrtempo. Irgendwann wurden wir vom grossen klapprigen Bus umgeladen in Minivans, was den Fahrtkomfort auch nicht besser machte, ganz im Gegenteil. Ich war immer im Zwiespalt, ob ich beten sollte, dass wir bald ankaemen, oder ob ich den Fahrer anschreien sollte, nicht so moerderisch zu fahren, damit sich die Chance, dass wir lebend an der Kueste ankommen, erhoehe. nicht nur unser Fahrer, sondern anscheinend fast alle Malaysier scheint es nicht zu stoeren, wenn Autos entgegenkommen, wenn man ueberholen will (von Motorraeder ganz zu Schweigen), sodass man permanent zu viert neben einander auf eigentlich nur 2 Spuren faehrt...ich bin woertlich Tausend Tode gestorben!
abgesehen von diesem Unbehagen, vielleicht gleich zu sterben, gefiel mir die Fahrt nicht so gut, weil ich mir wie in einem glaesernen Kuehlschrank auf Raedern vorkam, denn von der Kultur selbst haben wir praktisch gar nichts mitbekommen. nur ab und zu arabische Schilder am Strassenrand, goldene Turmspitzen irgendwo hervorblitzen (vielleicht waren die Minituerme, von denen immer 2 im gleichen Abstand aus dem Gras guckten, Friedhoefe...?), verschleierte Frauen, freilaufende Kuehe, Schafe und Ziegen und tropische Landschaft wie in Honduras, mit aehnlichen Holzbaraken am Strassenrand, nur dass die hier noch besser aussehen und die Strassengraeben nicht mit Muell gefuellt sind.
Aber da waeren wir wieder bei meinem absurden (wahrscheinlich gar nicht so erstrebenswerten) Anspruch, die Kultur annaehernd erfassen, tatsaechlich kennenlernen zu wollen. Hm.

die Inseln waren ein Traum. wir haben mithilfe unseres "einsamen Planeten" eine Bucht gefunden, die nur ein einziges "Hotel" mit angegliedertem Restaurant und dementsprechend wenig Touristen bietet. Die Ruhe war ein Traum und dort konnte ich meine kurzzeitige, erhoehte Temperatur einfach weglesen und wegliegen und in den folgenden Tagen mit unseren neu gefundenen, im Tierreich bewanderten schweizer Freunden die Korallen unsicher-schnorcheln. Die Haie, die sie in den vorhergehenden Tagen gesehen hatten, konnten wir nicht mehr sichten, aber Tausende andere Fische in allen (un-)vorstellbaren Farben und Formen (sogar ganz viele "Nemos" haben wir gesehen, fuer die die wissen, wer das ist) und tolle Korallen und Muscheln. Am Strand konnte ich die Haende nicht vom Boden lassen uns hab sicher ueber 2 kg Strandgut gesammelt, das ich vor der Abfahrt allerdings nochmal sortiert hab, denn ich muss es ja tragen! Alles in allem sehr schoene Tage und trotzdem war es Zeit, wieder zu gehen.

Jetzt sind wir in Peneng, auch genannt Georgetown und wohnen wieder bei einer Familie; ihr juengerer Sohn Edeson ist gerade mit AFS in Deutschland (wodurch ich auch die Adresse bekommen habe) und sucht gerade eine Gastfamilie, weil er von Schweiganger aus, wo er gerade wohnt, eine Stunde zur Schule fahren muss, und er sich, weil sein Gastbruder gerade mit AFS in die USA losgezogen ist, dort ziemlich einsam fuehlt...nur so, falls jemand Interesse hat, einen sehr netten und lustigen Malaysier bei sich aufzunehmen; es waere nur noch bis Januar und er wuenscht sich ein bisschen familiaere Waerme und die Moeglichkeit, sich selbststaendig zu bewegen.
Die Grossstadt verlor ihren Reiz sehr bald. Im Bus mit den ganzen Einheimischen hat es uns noch gefallen; wir fuehlten uns wieder ein bisschen wie in unserem "Amerika", aber nachdem wir ein bisschen rumgelaufen sind und uns die "main attractions" angesehen haben, wollen wir schon fast wieder raus aus den Menschenansammlungen.
Heute konnten wir zum Glueck ein bisschen aus dem Stadtkern fuechten und besichtigten eine "Butterfly Farm" (die irgendwie unter der Leitung unseres Hostpapas steht), was sehr farbenfroh und flattrig war und danach nahmen wir an einer Tour durch den "Tropical Fruit Garden" teil, was echt interessant und anschliessend vor allem lecker war, weil wir so viele Fruechte essen durften, soviel wir wollten (wir wollten natuerlich soviel, dass wir jetzt noch Bauchschmerzen haben...). Es gibt so viel Obst, von dem wir noch nie gehoert hatten und das sehr schmackhaft ist; am besten war trotzdem noch die Ananas, ihr glaubt gar nicht, was es da fuer Unterschiede gibt!
Morgen wollen wir noch 2 angeblich sehr schoene Tempel sehen und dann los gen Norden.
Unser Weg nach Thailand gestalltet sich als nicht so einfach, weil im Sueden Thailands, durch den wir zwangslaeufig durch muessen, wieder mal Unruhen herrschen (extreme Muslimen verlangen einen von Thailand unabhaengigen Staat) und ausserdem scheint die Regenzeit bzw der Monsun die Insel Ko Phi Phi ungastlich zu machen. Vielleicht muessen wir deshalb auf diese verzichten und zoegen dann am Sonntag direkt zu unseren Schweizerfreunden auf Ko Tao, eine Insel im Osten von Thailand, suedlich von Bangkok, aber das erfahrt ihr dann alles nachher!

Dass es wieder keine Fotos gibt, tut mir sehr Leid, aber in den Internetcafes gestalltet sich das nicht immer einfach (insbesondere, wenn man die CDs und Kabel gerade nicht bei sich hat...)

Macht es gut und euch keine Sorgen!
Clara

Comments:
Liebe Clara!!!

Deine Berichte lesen sich sooo amuesant und interessant!!! Echt toll!!
Mir geht es gut hier in Brasil, vielleicht hat es dir der Max ja erzaehlt. Auf jeden Fall fuehle ich mich wunderbar geborgen bei meinen zwei lieben Freunden und freue mich dann schon auf die Zeit in Rio. Ich werde mich schlau machen von wegen welche Orte sehenswert sind (bzw das weiss ich eigentlich schon) und wie wir die am besten erreichen koennen. Aber da reden wir spaeter mal ausfuehrlicher drueber, gell? Ich finds total schoen, was ihr alles erlebt, ich bin fast neidisch geworden beim Bericht ueber die Fruechte, obwohl es davon hier ja auch ne Menge gibt:)
Als du, bis bald!! ich drueck dich fest!!! um BEIJO,
deine Laura
ps: ich hatte neulich auch durchfall:) und irgendwie war das tatsaechlich erleichternd, seltsam
 
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