19 August 2006

 

Singapur-Kuala Lumpur

Leider schaffe ich es auch hier gerade nicht, meine Fotos im Eintrag zu speichern. Ich hoffe, dass ich sie noch nachliefern kann, aber kann fuer nichts garantieren; tut mir Leid!


Am Dienstag sind wir in Singapur angekommen; nach einem langen Flug, der keinerlei Schlaf fuer uns uebrig hatte, waren wir ploetzlich ganz schoen ueberfordert von der (uns doch eigentlich viel vertrauteren englischen) Sprache und irgendwie scheint uns Japan schon sehr vertraut geworden zu sein...jedes Mal, wenn ich "sumimasen" hauchen moechte, merke ich, dass es hier nicht angebracht ist.

ich hatte erstmal einen kleinen Durchhaenger, aber das muss ja kommen auf so Reisen. allerdings koennte das auch mit unserer "Unterkunft" gelegen haben: wir schliefen in einem unbenutzten Computerraum eines unglaublich (!!!) grossen Uni- bzw Studentenwohnheimkomplexes, und zwar jeder auf 4 Paaren zusammengestellter Stuehle. Tatsaechlich hab ich gar nicht mal soo schlecht geschlafen, aber es ist einfach absurd, vor allem, weil wir eigentlich einfach eine Nacht guten Schlaf gebraucht haetten und am besten irgendwo, wo wir uns auch wohl fuehlen und die Air Condition dir nicht direkt einfach 20 oder 27 Grad-Luft ueber den Kopf jeagt.

jetzt, da ich gerade in Kuala Lumpur sitze, kann ich mit ein bisschen Abstand sagen, dass die Leute in Singapur auch sehr zuvorkommend waren und ohne zu zoegern ihr Handy rausholten oder wenn sie den Weg nicht wussten, sofort in den naechsten Laden hineinhechteten, um es heraus zubekommen. Aber insgesamt schienen sie nicht so zugaenglich und interessiert; vermutlich weil sie mehr als genug Tourismus haben und Englisch wirklich nicht ueben muessen...
Singapur hat uns insgesamt nicht so beeindruckt wie Japan, obwohl es schoen war, aber villeicht hat unsere Faehigkeit, neue Kontakte zu knuepfen und Staedte zu erkunden momentan ein bisschen abgenommen und wir sehnen uns schon nach "Urlaub vom Urlaub"...
Ihr moegt das unverschaemt finden, aber es ist so anstrengend, sich immer wieder vorzustellen und aufmerksam und interessiert zu sein, wenn man sich einfach mal irgendwo hinsetzen, entspannen und wohl fuehlen will, ohne sich um anderes und andere kuemmern zu muessen.
kleine Abenteuer hatten wir in Singapur natuerlich trotzdem; nachdem wir aus unserer ersten Herberge gefluechtet sind, sind wir eine Nacht in einem guenstigen Hotel untergekommen, was angenehm war, weil wir unser eigenes Zimmer und eigenes Bad hatten (wenn auch nicht sehr gross und ohne Fenster) und haben noch am gleichen Tag ein Youth Hostel fuer die naechste Nacht gesucht. Das ganz andere Essen war sehr gut und sehr billig, und insgesamt ein bisschen vertrauter als der Rest Singapurs, weil wir in Little India untergekommen sind, obwohl es natuerlich auch nicht ist, wie beim Inder in der Woerthstrasse, was nicht heissen soll, dass es schlechter ist, nur anders (zB auf Bananenblaettern serviert...)
Nachdem wir ziemlich viel durch die representativen und touristischen Gegenden Singapurs gelaufen sind und uns eine viertel Stunde in eine Bar im 70. Stock eingeschlichen hatten, um die Lichter von oben betrachten zu koennen ohne etwas zu bezahlen, sind wir total muede und leicht beschaemt in eine Rigscha vor einem Luxushotel mit lauter Porsches vor der Tuer gefallen. als der Fahrer dann noch absolut schreckliche Musik anschaltete und nicht aufhoerte, allen vorbeigehenden Leuten zu winken und generell einfach mit seiner Handhupe einmal quitschend auf 4-spurige Strassen gefahren ist, wollten wir endgueltig im Erdboden versinken. dann hat er uns nur noch zu einem der 2 ausgemachten Plaetze gefahren und der hohe Preis, der mit den 2 Anfahrorten gerechtfertigt worden war, galt dann ploetzlich pro Person!! so, das war unser erster Reinfall; wir hoffen nur, dass er das Geld behalten darf und es nicht abgeben muss. Wo wir gestern fuer das gleiche Geld 6 Stunden in einem Luxusbus von Singapur nach Kuala Lumpur gekarrt wurden, wissen wir, wieviel er uns abgenommen hat (fuer europaeische Verhaeltnisse natuerlich eigentlich laecherlich!)...
Ausserdem hab ich mir eine groessere Speicherkarte fuer meine Kamera gekauft, und habe dabei den Preis sehr runtergehandelt, worauf ich sehr stolz bin. Hoffe jetzt nur, dass ich die Kamera nicht verlier und wir nicht in unseren Fotos ertrinken werden!

Unser Plan von Singapur aus, war ja eigentlich nur ein bisschen nach Malaysia, an den Strand, aber jetzt haben wir in der Jugendherberge so viele Leute getroffen, die uns von Thailand vorgeschwaermt haben, dass wir einfach unseren 2. Flug auch verschoben haben und Asien wahrscheinlich doch erst in einem knappen Monat verlassen...vorgestern nacht sassen wir noch mit 2 total netten Deutschen bis nach 1 Uhr nachts und haben Geschichten ausgetauscht und mit ihnen grob unsere Route von hier nach Bangkok besprochen. es war auch wieder einfach schoen ungezwungen mit anderen nicht englisch sprechen zu muessen, so bloed das jetzt klingt.

so, das sind jetzt eigentlich viele kleine Stuecke, die ich versucht habe, zu einem einigermassen homogenen Text zusammenzubasteln und ich hoffe, ihr kommt durch.

Morgen geht es vermutlich los in den National Park "Taman Negara". hier im Internetcafe haengt ein Plakat auf dem steht "The world's oldest Rainforst" und wir sehnen uns einfach nach ein bisschen Natur und Ruhe. Kuala Lumpur ist sicher sehr interessant, aber unglaublich anstrengend mit massenhaft Autos und Mofas, ungeplanten Strassennetzen vergleichbar mit denen in Tegucigalpa und dadurch crasser Laerm und Luft, die dich umbringt, wenn du einatmest. Die National Moschee von Malaysia haben wir heute besichtigt und uns laenger mit einem Muslimen auf Englisch unterhalten, was sehr aufschlussreich war, aber viel mehr werden wir in KL wohl nicht schaffen und es scheint auch nicht wesentlich mehr zu geben, was wir jetzt unbedingt sehen muessten (denn zum Beispiel einen Zoo haben wir in Muenchen ja auch und Achterbahnen jedes Jahr auf dem Oktoberfest...).

also, keine Ahnung, wann ich wieder schreiben kann, aber ich wuensche euch (und uns) eine gute Zeit!
Alles Liebe
Clara

 

Japan 2



Kurz vorne weg: irgendetwas stimmt mit den Fotos nicht und deshalb habe ich jetzt fuer die naechsten 2 Eintraege keine. Das tut mir sehr Leid, denn ich denke, sie sind eigentlich sehr schoen und man kann sich mehr unter meinen Gedankengaengen vorstellen, aber vielleicht kann ich sie irgendwann im Nachhinein noch einfuegen...


Es ist unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht und wie die Tage zu verschwimmen beginnen, die Impressionen bleiben und die Muedigkeit waechst!
Entschuldigt bitte, dass ich jetzt nicht mehr so auf die Recht- bzw Gross- und Kleinschreibung achten werde und bitte auch die (schon im ersten Text entdeckten) stilistischen Fehler, oder wenn ich ganze Satzteile oder Worte vergesse. Wer meinen Perfektionismus kennt, weiss, dass ich eigentlich einen anderen Anspruch habe, aber der Aufwand ist mir in der knappen Zeit einfach zu gross und ich denke, ihr werde mich trotdem verstehen. Ich moechte auch nicht mehr alles so detailiert schildern, sondern...naja, mal gucken. Und die Qualitaet der Fotos wird hoffentlich auch wieder besser, mal gucken, woran das jetzt liegt und wie es in Zukunft ist...

Ach ja, die Reise in Japan

Wir sind in Kyoto angekommen, letzten Samstag (5. August?) und es war bruellend heiss und schwuel. Dem beeindruckenden Bahnhof konnten wir erstmal gar nciht viel Aufmerksamkeit schenken, aber vor unserer Abreise haben wir noch viele Fotos gemacht. die genauen Zahlen hab ich vergessen, aber es waren ungefaehr 5 lange Rolltreppen und 3 kleine normale treppen oder wahlweise vielleicht 9 normale Treppen, die einen aufs gartenartige Dach mit endlosem Blick gefuehrt haben und einen den ganzen geschwungenen Glas-Stahlbau aus noch mal anderen Blickwinkeln betrachten liess. einfach irre Architektur. Kyoto selbst hat mir auch sehr gut gefallen, irgendwie ist es viel wohnlicher dort als in Tokyo. Das Bussystem ist verstaendlich und auch die Leute scheinen, trotz lustiger Mode, normaler, zugaenglicher, nicht so abgedreht oder businesslike wie in Tokyo. Wir sind einmal auf dem Weg zu einem "night walk", der im lonely planet beschrieben war, vom beschriebenen Pfad abgekommen und in eine Staendestrasse eingebogen, die irgendwie im Fluss verlief, auf so einer Art Mole, parallel zum Ufer. Die Laternen und das Ambiente direkt am Fluss haben mich stark an Paris erinnert, aber die Leute aus den Staenden haben uns die ganze Zeit nie gesehene Sachen zum Essen oder komische Spiele angeboten. das ganze lief an einer Meile von gelblich erleuchteten Haeusern mit riesen Fenstern und weiter unterhalb an nebeneinander aufgereihten super gemuetlich aussehen, schumrigen Restaurants vorbei, die aus Holz waren und auf Stelzen halb ins Wasser reinragten. Auf dem Rueckweg, sind wir eine Strasse entlanggelaufen, in der sich viele junge Leute getummelt haben, einfach gemuetlich rumsassen oder standen, mal mit einem Bier in der Hand; ganz so, dass ich mir vorstellen haette koennen, in Muenchen zu sein. Dann kommst du wieder an merkwuerdigen Schaufenstern vorbei, die halbnackte Anime-Maedchen (japanische Comics) auf Plakaten in Neonlicht zeigen und vor denen Maenner in Anzuegen stehen und sehr ernst gucken und du fragst dich wieder, worums geht, aber diese komischen Seiten nehmen nicht so Ueberhand wie in Tokyo.
Was an Kyoto natuerlich noch beeindruckend ist, sind die vielen Tempel und Schreine und auch die Burg, die eigentlich keine Burg ist, so zerbrechlich und fein, wie sie gebaut ist, aber sie hat riesige Mauern und einen Burggraben und laesst einen ahnen, wie Japan mal gewesen sein muss. Und dann gibt es diese Tempel, die aussehen wie alle anderen auch und dann stehen ploetzlich woertlich 1000 vergoldete Statuen, jede mit 33 Armen vor dir und beten oder nicht so viele, aber riesige und beeindruckende Goetterbilder bauen sich vor dir auf und du traust dich nicht mehr, laut zu reden. Auch in Nara, wo wir von dem kostenlosen "Student Guide" profitiert haben (Studenten, die ihr Englisch aufbessern wollen, fuehren Touristen), waren die religioesen Staetten unglaublich eindrucksvoll. Wir standen im groessten hoelzernen Gebaeude der Welt "Todaiji-Tempel"/"Daibutsu-den", in dem dir ein riesiger (!!!) Medizinbuddha zu verstehen gibt "Keine Sorge; ich werde dich heilen" und haben von unserer suessen Fuehrerin Kana jede Statue und fast jeden Stein erklaert bekommen, sind durch "das Nasenloch des Buddhas" geschluepft, weil das gluecklich und gesund machen soll und sind dann, nach einem sehr leckeren Essen in einem Restaurant, doch noch laenger in Nara beblieben, weil zufaellig ein mehrtaegiges Lichterfestival war, bei dem in der ganzen Stadt Tausende von Laternen aufgestellt wurden und alles "in einem anderen Licht" erschienen liessen, was wunderschoen war. was ich noch nicht erwaehnt hab, weil es mich persoenlich nicht besonders beruehrt, sind die ganzen Rehe, die frei und zahm bzw aufdringlich in Nara rumlaufen. Weil die oberste Gottheit des Shintuismus auf einem weissen Reh das erste Mal nach Nara gekommen ist, sind diese heilig und geschuetzt und duerfen machen war sie wollen, und das ist vor allem von Touristen gefuettert werden und zur Entspannung zwischendurch im Schatten liegen...
Wir wollten den Night walk durch "Gion" in Kyoto ja eigentlich nur verschieben, haben ihn dann allerdings nicht mehr geschafft, weil wir so lang in Nara geblieben sind und dadurch vielleicht die Chance, den Blick auf eine Geisha zu erhaschen, verpasst, aber ein Grund mehr, Kyoto (und Nara) wieder zu besuchen.
Uebrigens wird am letzten Tag des Lichterfestival auch der grosse Tempel innen erleuchtet, so dass man von einem bestimmten Punkt aus von draussen, genau sein beruhigendes Gesicht in Gold durch ein kleines Fenster leuchten sieht. Wunderschoene Postkarten!

Am Dienstag sind wir dann nach Osaka abgereist, wo wir in einem schrecklichen, heruntergekommenen Viertel gewohnt haben, aber die Gesellschaft von Max's Freund Shouta (die beiden haben sich in Mexico ueber AFS kennengelernt) und dessen Freundin sehr genossen.

Gleich am naechsten Morgen ging es leider ohne Markus, unseren Beschuetzer und Stadtplanhalter, nach Hiroshima weiter. Dort angekommen, haben wir durch die tolle Touristeninfo eine Jugendherberge ausfindig machen koennen und sind dann mit der Trambahn zu einer der Atombomben-Gedenkstaetten sowie ins Museum gegangen. Das ganze war erschuetternd und sehr informativ; man greift sich oft einfach nur an den Kopf und fragt sich, warum man gerade Mensch werden musste; aber Hiroshima ist, wie mir meine Mutter schon berichtete, eine sehr offene, freundlich Stadt, die aus dem schrecklichen Schicksal offensichtilich viel Gutes fuer sich ziehen konnte. Mit dem Zug anschliessend ans Meer und mit der Faehre zu einem der schoensten Orte Japans, einer Insel "Miyajima-guchi" (oder so aehnlich), die ein rotes Tor vorgelagert hat, und die bei dem Sonnenuntergang, den wir sahen, unbeschreiblich war. Das sind die Momente, die unvergesslich bleiben, hoffe ich instaendig.


20 min vom Hauptbhf mit dem Zug nach Saka, dorf nur ein kaputtes oeffentliches Telefon gefunden, weil wir in der JuHe anrufen wollten, um abgeholt zu werdengefahren, und auch hier sind wir mal wieder auf japanische Freundlichkeit gestossen: wir wollten den Bahnhofsvorsteher nur nach dem Weg fragen und er rief gleich selbst dort an und wir wurden abgeholt. Kurvige Strassen, ein viel zu langer Weg zu laufen, vor allem mit unserem Gepaeck. Oben, im schoenen, einfachen sauberen Hostel mit Tatami-Matten in 2 verschiedenen Zimmern: Max mit einem 16-jaehrigen und einem Japaner um die 30, ich mit einer ca 60-jaehrigen Dame. Jeder hatte seine tollen Gespraeche, die wohl aber ziemlich verschieden waren! Japaner sind aber einfach toll.

Am naechsten Morgen auf dem Weg in die Stadt haben wir uns lange mit 2 Spaniern unterhalten, die 3 Wochen in Japan unterwegs und auch ganz begeistert sind. Dann wollten wir unbedingt zu einem Onsen und wollten dafuer in eine Art Nationalpark fahren, nach kleineren Komlpikationen sassen wir dann auch endlich im richtigen Bus und fuhren dann fast andertalb Stunden ins Landesinnere von Sued-Kiushu. Obwohl ungewollt, war das auch irre; die Landschaft hat mich sehr an Honduras erinnert, die Waelder, die sich auf runden Huegeln erstrecken, aber die Farbe ist nochmal anders und die grellgruenen Reisfelder mit ausgemergelten Figuren mit Hut darauf zwischen den geschwungenen Holzhaeusern, passen nur hierher. Irgendwann oben angekommen, nachdem wir den Busfahrer davon ueberzeugt haben, dass unser JapanRailPass auch in diesem Bus gelten muesse, waren wir in einem anderen Onsen als geplant angekommen. dieses war nicht draussen, aber fuer uns immer noch gut genug. Das Wasser ist unglaublich heiss und ich weiss immer noch nicht, was ich alles falsch gemacht hab, aber toll war es trotzdem. Da die ganze Aktion sehr zeitaufwendig war, obwohl wir kaum eine Stunde im Onsen selbst verbracht haben, konnte der Max die Burg von Hiroshima nicht mehr ansehen, aber gelohnt hat es sich auch wegen dem Einblick ins Land.

Die naechste Zugfahrt ging nach Takamatsu, einer Stadt im Norden von Shikoku, ueber Okayama. die Ueberfahrt auf der riesigen Bruecke war geisterhaft; gerade in der Daemmerung schwebten wir ueber dem Meer und die Stimmung mit dem Blick auf den Nebel, kleine bewaldete Inseln, dahinter die grossen, und immer mehr aufblinkende Lichter aus dem unbestimmten Blau in allen Schattierungen waren eindrucksvoll; fuer mich eine Erinnerung an Lummerland (Jim Knopf und Lukas, der Lokomitivfuehrer)....
Dazu kam noch, dass sich das Buch "Wir sind Gefangene" von Oscar Maria Graf immer mehr zuspitzte und mich sehr bewegte.

In Takamatsu trafen wir Max' Tante Shoku, die uns gleich zum Essen einlud und dann, nach weiterer kurzer Zugfahrt ins Hotel brachte, das ihre Mutter uns bezahlte. Max und ich mussten ziemlich losprusten, als wir mit keiner sauberen Unterhose im riesigen Backpacker-Rucksack auf dem mueden Ruecken in die geschniegelte Hotellobby eintrafen. Das war Luxus, sodass wir wegen der modernen Technik das Licht nicht mal anknipsen konnten, ohne bei der Rezeption noch mal nachzufragen, wie...das Licht der Tennisplaetze wurde gerade ausgeschaltet als wir um halb 11 ankamen und nach der Besichtigung des hoteleigenen Onsens, trafen wir auf 3 Karaokeraeume, sodass wir im Schlafanzug und Yukata-aehnlichen Bademaenteln noch 5 wunderbar-schreckliche Schlager schmettern konnten, bis uns ein ernster Herr des Hotels darauf aufmerksam machte, dass es schon sehr spaet sei...ein etwas kurzes, aber grosses Vernuegen.

Nach einer weiteren kurzen Nacht, weil wir das Onsen ja ausnutzen und auch den Tag nutzen mussten, fuhren wir zu den Eltern von Shuko und anschliessend besuchten wir mit ihr und ihrer Tochter (also mit Max' halbjapanischer Cousine) einen sehr schoenen, grossen Park in Takamatsu und nahmen dort auf Tatami-Matten endlich einen echten gruenen Tee ein, was wir uns bisher nie geleistet hatten; allerdings hat die Teezeremonie selber leider nicht vor unseren Augen stattgefunden, sondern wir haben nur den Tee serviert bekommen...aber so schoene, lichte Gebaeude. eigentlich viel zu fein und zart, um sie "Gebaeude" nennen zu koennen...
Die Ueberfahrt zurueck zur Hauptinsel war ganz anders, hell und gruen und auch die Fahrt nach Nagoya war noch mal toll, weil ich wieder andere Landschaftsformen Japans entdecken konnte: Felder, frisch, feucht, gruen, baeuerlich, laendlich, es hatte geregnet.

In Nagoya den lieben Markus zum letzten Mal am Bahnhof getroffen und dann weiter nach Tokyo, mit einigen selbstverschuldeten Zugkomplikationen, die mich in Kombination mit all der Muedigkeit an den Rand der Verzweiflung brachten. Als wir dann nach 10 Uhr abends an Manamis Metrostation ankamen, war ich sehr erleichtert ueber so eine lustige, freundliche Grossfamilie! Die Mutter kocht soo lecker und hat mich gleich am ersten Abend ausgefragt, was ich denn am liebsten mag und was ich noch nicht probiert haette. das gab es dann die naechsten Tage, sogar ein OBENTO hat sie gemacht, eigentlich eine Art Picknick-Schale mit vielen verschiedenen Kleinigkeiten drin, die man auf Reisen oder eben auf Ausfluegen oder in die Schule mitnimmt. das gabs dann extra fuer mich zum Abendessen auf dem Esstisch; so suess sind die!

Um euch noch mehr zu verwirren: mein, also unser Gastbruder Tito aus der honduranischen Familie ist zur Zeit als Austauschschueler in Japan und kam am Samstag auch zur Manami, sodass jetzt 3 Mitglieder der Familie, die gemeinsam in Honduras gewohnt hat, kurzzeitig in Japan vereint waren und unter einem Dach wohnten!

Manami wollte am Samstag unbedingt mit uns zu einem riesigen Feuerwerk in japanischer Tracht gehen. da dem Max die Tracht vom Vater nicht passte, haben sie ihm eine eigene gekauft und mir einen Frisoeurbesuch bezahlt, weil ich die ganze Zeit davon geredet hab, dass die Japanerinnen so coole Haarschnitte haben...abends hat es dann geregnet, sodass wir nur wieder zu Perikura gegangen sind und unser Aussehen dokumentiert und komentiert haben. das Feuerwerk war am naechsten Tag und sehr schoen und lang (1 stunde!), aber sowas bewegt mich ja nicht so wahnsinnig. besser fand ich, dass wir tagsueber wieder in den verrueckten Strassen Tokyos rumgelaufen sind und lustig angezogene Maedchen fotografiert haben.

Am Montag war dann der Geburtstag von Manamis Vater. Nachdem uns die Mutter mit dem Gepaeck geholfen hat, haben Max und ich mittags eine Freundin von mir aus Muenchen getroffen und sind am Kaiserpalast entlang (in den Park darf man leider nicht) gelaufen und haben dann das Tokyo International Forum mehr oder weniger zufaellig gefunden; auch ein irres Gebaeude, wie ein Raumschiff!

Spaeter haben wir dann keine Zeit mehr gehabt, um ein letztes Mal Perikura zu machen, was sehr schade war, aber "Papa" hat uns mit seinem kleinen, geschniegelten Audi (mit Fernseher) abgeholt und wir sind durch den Businessdistrict zum Mori Tower gefahren, was auch eigentlich unser letzter Wunsch in Tokyo war. das ist ein riesiger Turm, der angeblich alles, was man sich vorstellen kann unten drin integriert hat, also von Supermarkt ueber UBahnstation usw, auch ein Hotel, und zwar war das das Hyatt Hotel, welches fuer mich ja sehr wichtig ist, weil es in "Lost in Translation" der zentrale Handlungsort ist; jedenfalls ist der Papa aus Versehen zu denen gefahren, und der Mensch, der einem immer die Tuere aufmacht (hab den franz. Ausdruck vergessen...), hat uns die Tuere aufgemacht und es war wie im Film, solange bis der Papa gecheckt hat, dass wir falsch sind. Dann mussten wir weiter, aber das war nicht weniger spektakulaer, denn man musste mit dem Auto in so eine Art Garage fahren, bis an eine ganz bestimmte Stelle, dann aussteigen, abschliessen, hinter eine Glastuer gehen und dann zugucken, wie das Auto auf einem seitlich zum Fahrzeug verlaufenden Fahrband in der Wand neben an veschwindet, wo es dann in einem Aufzug irgendwohin gebracht wird. das war so futuristisch! im ersten Aufzug konnten wir nur 3 Stockwerke hochfahren, wo dann schon verschiedene Platformen waren, die wir leider nicht betreten konnten, weil der Papa es eilig hatte. nach der Kasse (wir sind natuerlich eingeladen worden) sind wir in einen anderen Aufzug gelotst worden, nach einem Sicherheitscheck wie am Flughafen (d.h. Max und ich hatten jeder unbemerkt ein Taschenmesser dabei...), und in den 52 Stock hoch. Ein irrer Blick bot sich uns, direkt vor uns der Tokyo Tower und dahinter bei beginnender Daemmerung die unglaublichen Weiten Tokyos mit einer immer mehr zunehmenden Anzahl an Lichtern, bis es irgendwann ein Meer aus flackernden Punkten im Schwarz war. Der Vater hat sich kaputt gelacht, wie viele Fotos wir gemacht haben und hat dann zusaetzlich ein Schweinegeld dafuer gezahlt, dass wir auf einer noch hoeheren Plattform mit noch besserem Blick auf den Tokyo Tower ein Foto von uns 4er in die Hand gedrueckt bekamen. Durch die Ausstellung des beruehmten Mori Modern Art Museum hat er uns dann noch gefuehrt, allerdings am Ende eher rausgeschleift, weil es schon so spaet geworden war und wir ja noch Zuhause Geburtstag feiern wollten. War ein bisschen schade, weil die Ausstellung ziemlich interessant war, aber zT hab ich auch nicht genuegend Beschreibungen gefunden und haette mich besser mit den einzelnen Kunstwerken auseinandersetzen muessen. Zu Hause haben wir dann die ganze Familie wieder getroffen (Manami war den ganzen Tag ueber im Paukstudio gewesen, um die Aufnahmepruefung fuer die gewuenschte Uni im Februar zu bestehen) und vor dem Abendessen wurden die Kerzen des Geburtstagskuchen angezuendet (die in der Mitte hat die Melodie von Happy Birthday gespielt) und Fotos gemacht. Waehrend des Obentos haben wir erst den Weisswein getrunken, den ich mitgebracht hatte, dann haben die Jungs und der Vater Bier getrunken und dann so viel Sake, dass mein kleiner Bruder total besoffen war. Das ganze war ziemlich lustig und wurde dann auch noch ein bisschen unangenehmer, aber Manami hat mir versichert, dass niemand der Familie den Vater je so gluecklich wie an diesem Abend gesehen haben, weil er es so genossen hat, Soehne zu haben und dass ihm ein vollgekotztes Bett das sicher wert waere. Weiss nicht, wie die Mutter das sieht, sie schien das Getrinke nicht so zu befuerworten und sie war ja dann letztendlich wahrscheinlich auch die mit der meisten Arbeit...
mir hat die Manami dann noch auf ihrer E-Gitarre vorgespielt und dazu gesungen, was ich ganz toll fand; so hab ich noch eine neue wunderbare Seite von ihr kennengelernt. der Abschied am naechsten Tag war umso verschlafener und umso trauriger. Manami musste ja wieder zur Schule und die Eltern und Tito haben uns zum Flughafen gefahren. Die erwarteten Komplikationen beim Check-in nach der Geschichte mit London-NewYork sind nicht eingetreten und obwohl es schwer war, die weinende Mutter und den niedergeschlagenen Tito und Vater so stehen zu lassen, haben Max und ich ausser Sichtweite schon wieder lachen koennen.
Dass wir nicht wie geplant auf den Fuji San gestiegen sind hatte viele Gruende und das ist wiederum ein Grund, bald wieder herzukommen!

04 August 2006

 

JAPAN 1: Tokyo...

31. Juli
Willkommen in Japan also



Nachdem uns die Sonne begruesste, genau wie auf der Fahne in sattem rot, nur noch mit Wolkenstreifen, was wunderschoen war und mir noch mal Mut gab, obwohl mir komischerweise kein bisschen mulmig war.
2 Stunden zu spaet kamen wir nach einem langen Flug und einer veraeltnismaessig kurzen Zugfahrt in Shinjuku an, einem der buntesten Orte Japans und vor allem einem der meist betretenen Plaetze der Welt (ca 3,5 Millionen taeglich, da kommt man sich als Muenchner etwas laecherlich vor), und fanden meine Freundin Ayako nicht. Wir fragten einen kompetent aussehenden Herren in schwarzem Anzug, ob er nicht wisse, wo sichdas naechste Internetcafe befinde, obwohl wir auch nicht so ganz wussten, was wir dort machen sollte; jedenfalls begann er, angestrengt nachzudenken und zunehmend verzweifelt drein zu schauen. Neben "aehm" meinte er dann auch noch, in der naechsten U-Bahnstation sei vielleicht eines im Bahnhof. Also zogen wir weiter auf die Suche nach einem Internetcafe, weil wir nicht glaubten, dass es hier in Japan nicht auch unmittelbar ein Internetcafe gaebe. Nachdem wir von einem Jungen in ziemlich moderner Kleidung, auf den wir zugingen und auf Englisch zu fragen begannen, mit Gesten zu verstehen bekamen, dass er uns keinerlei Informationen geben koenne, steuerten wir auf ein Reisebureau zu, allerdings kam der Geschaeftsmann plotzlich von hinten angelaufen und bedeutete uns, nicht hineinzugehen, sondern draussen zu warten, bis er wiederkomme. Ueber einige Umwege gelangten wir dann zu einem nah gelegenen schmalen hoeheren Haus mit einem komplett verrauchten McDonalds untern drin und zwei Internetcafes in den hoeheren Stockwerken. In einem angekommen, musste ich auch fuer die 5 Minuten, die ich brauchte, um aus Versehen einen Knopf zu druecken und alles in japanische Schriftzeichen umzuwandelnu und somit gar nichts zu erreichen, 300 yen bezahlen, was dann nicht so schlimm war, weil ich die Handynummer von Ayako doch bei mir hatte. Aber das naechste Telefon schien noch weit entfernt. Ein Arbeiter aus dem Internetcafe sah sich irgendwann gezwungen, uns zur naechsten Poststation zu bringen, weil er erst dachte, dort koenne man ein Telefon benutzen. Als das nicht der Fall war, suchte er uns lange ein oeffentliches Telefon, das dann nur mit Telefonkarte zu benutzen war und das schien ihn sehr aus der Fassung zu bringen. Ich weiss nicht, ob wir nicht einfach eine Telefonkarte haetten kaufen koennen, aber jedenfalls rannte er dann zurueck zum Internetcafe, wo er sein Handy holte, um damit meine Freundin anzurufen und mit ihr einen Treffpunkt auszumachen. Ayako schien kein bisschen veraergert, dass sie 3 Stunden auf uns gewartet hatte und versicherte, dass die Freundlichkeit, mit der wir empfangen wurden, reiner Zufall sein muesse, weil die Japaner eigentlich gar nicht, und schon gar nicht zu Fremden zuvorkommend waeren. Aber auch wegen unserer weiteren Erfahrungen hier, glauben wir ihr dieses eine Mal nicht.




Wir fanden es eigentlich schon lustig, dass das unser Einstieg in die naechsten Monate sein sollte, aber das merkwuerdige war auch, dass wir kein bisschen in Panik waren oder je daran zweifelten, aus dieser Situation bald wieder heil rauszukommen. Hoffentlich geht das so weiter!

Als wir unsere teils sehr schweren Sachen in Ayakos Haus abgelegt hatten, ging es bald darauf zu einem grossen, nur einmal im Jahr stattfindenden, AFS-Fest, die dieses Jahr unter dem Motto "Latino-Party" stand. Wir fanden uns in einem sehr kleinen Raum mit vielen japanischen AFSern, die tanzten und gutes Bier oder irgendeine suesse Pansche tranken und ganz begeistert waren von blonden Koepfen zwischen ihrem Gehuepfe. Viele sprachen uns dann auf spanisch an, ein Maedchen, Asagi, das uns dann den ganzen gestrigen Tag durch Tokyo begleitete, sogar in gutem Deutsch mit bayrischer Note. Sie kam letztes Jahr aus Deutschland, genauer aus einem 600 Personen-Dorf in der Naehe von Augsburg, zurueck und fliegt morgen ihre geliebte Gastfamilie besuchen. Beim Mittagessen mit ihr haben wir gelernt, dass niemals zwei Menschen gleichzeitig auf einmal ihre Staebchen benutzen durfen, weil das nur gemacht wird, wenn man die Gebeine der eingeaescherten Toten aus dem Feuer holt. Was man nicht alles lernt!
Wir waren am ersten Abend einfach sehr muede, aber wir wurden einfach grundsaetzlich eines besseren belehrt, was die Zurueckhaltung der Japaner angeht. Sie sind sehr direkt auf uns zugegangen und haben unsere Gesellschaft sichtlich genossen, wobei die Ayako uns versichert, dass AFSer einfach ganz anders seien als andere Japaner. Irgendwann hat das ganze ansprechen dieser in alle Welt gereister „Returnees“ allerdings dazu gefuehrt, dass wir total verwirrt waren, was die Sprachen angeht; immer gerade die Leute, die eine Sprachen nicht konnten, sprachen wir in jener an, bis wir an ihrem Lachen gemerkt haben, dass irgendetwas nicht stimmt, oder machmal rutschen immer noch beim Erzaehlen fremdsprachige Worte in die Erzaehlungen, ohne dass wir es merken, auch weil wir nicht einheitlich miteinander reden.


1. August
Gestern haben wir tagsueber mit Asagi unsere ersten Tempel und Schreine besichtigt und dabei auch einen guten Wunsch und eine schlechte Schicksalsbeschreibung vor die Tempel gehaengt haben.



Abends sind wir in einem japanischen Restaurant essen gegangen mit Asagi, Ayako und den 3 anderen Jungs, die wir letzten September in Muenchen kennengelernt haben. Sie haben immer wieder Gerichte bestellt, die wir uns alle geteilt haben, Waehrenddessen haben die Jungs Bier getrunken und spaeter mussten wir alle Sake tringken, bzw Imojyouchu, eine Art Sake, aber nicht aus Reis, sondern aus Kartoffeln, den man, wie wohl alle Arten von Sake starkt mit Wasser verduennt. Beieindruckend war neben den Delikatessen, dass Koshi, der einzige von unseren Begleitern, der schon arbeitet, die Haelfte des Essens fuer alle bezahlte, mit der Begruendung, er habe nicht viel Zeit, das verdiente Geld auszugeben. Das Essen war tatsaechlich sehr lecker, aber an diesen Sake muss ich mich noch ein bisschen gewoehnen.



Gestern abend, wie auch nach der AFS-Party, sind wir auf meine Anregung hin Fotos machen gegangen. Das macht man in kleinen Automaten, so wie bei uns die Passfotos, aber es sind sehr viele und der Hintergrund aendert fuer jedes neue Bild die Farbe wie ein Buehnenbild und anschliessend kann man die Fotos an einem Computer bearbeiten und lauter lustige Symbole einfuegen, oder in allen moeglichen Farben draufschreiben oder auch Rahmen und Verkleidungen aufsetzen. Das kannte ich schon von meiner japanischen Gastschwester in Honduras und es macht riesen Spass, weil es so albern ist. Der erste Automat konnte ein Bild auch an eine email-Adresse senden, allerdings leider ohne die digitale Bearbeitung.






Heute war ein guter Tag. Wir haben mit Kaori, einer AFSerin, die in Australien war, den Tokyo Tower (etwas kleinere Nachbildung des Eifelturms in rot und weiss) von unten gesehen und sind dann mit ihr und Mittagessen aus dem Supermarkt hoch auf das Rathaus Tokyos, also umsonst in den 45sten Stock und haben dort am Fenster gespeist, was sehr nett. In Shinjuku trafen wir dann Kanaori, die mit AFS in der deutschsprachigen Schweiz war, und gingen mit ihr von Harajuku aus in eine Strasse, die beruehmt ist fuer die vielen fancy gekleideten Jugendlichen und grellbunten Geschaeften, aus denen die Musik nur so herausplaerrt. Die Mode muss man tatsaechlich gesehen haben, denn soviel Fantasie und Moeglichkeiten im Styling haben wir Europaeren gar nicht, als dann wir uns so was ausdenken oder vorstellen koennten. Nach einem Besuch im 100 Yen (ca. 68 Cent), in dem es, wie der Name schon sagt, nur Dinge fuer 100 Yen gibt, der aber trotzdem 3 Stockwerke besitzt, spazierten wir durch riesige Haeuserschluchten mit Modegeschaeften bis nach Shibuya, wo ich dann endlich weiche Knie bekam, bloss auf Grund der Andersartigkeit, der Aufregung und den unfassbaren Menschenmassen. „Skurambura (aus dem Engl. Scrambled) –irgendwas japanisches“ ist der Platz, den Charlotte (bzw eigentlich Scarlotte Johannson) im Film Lost in Translation ueberquert. Wenn die Ampel gruen wird und die Leute aus allen Richtungen ploetzlich wie in einer Schlacht auf einander zu gehen und dann auf einmal, wenn man den grossen Crash erwartet, einfach in einander fliessen wir selbstverstaendlich, dann ist es fuer mich einfach verblueffend, wie es ueberhaupt so viele Menschen auf einem Fleck geben kann und wie sie es schaffen, sich nicht gleich totzutrampeln, geschweige denn sich stark anzurempeln.




Nach diesen spannenden Momenten, trennten wir uns wieder von der ueber uns lachenden Kanako, um Ayako und ihren Freund zum Sushi essen zu treffen. Wir mussten ueber eine Stunde lang anstehen, aber die beiden versicherten uns, das sei die Qualitaet wert, denn es war eines der renomiertesten Sushirestaurants Tokyos. Tatsaechlich waren die vielen kleinen Platten zunaechst Mal eine farbenfrohe Augenweide und dann auch noch fantastisch gut, vor allem, wenn man so naiv ist wie ich, und erst nach der Haelfte des koestlichen Essens fragt, ob der Fisch denn roh sei, weil ich als Muenchnerin hauptsaechlich Sushi mit Gemuese bekommen habe und mir nicht darueber im klaren war, dass Sushi an sich "rohen Fisch" meint.




Krabbeninerein auf Salat und Misosuppe mit Fleisch und Oktopus zur Vorspeise, Sushi mit Flunder, Sardine, Makrele (besonders lecker), Archenmuschel (nie davon gehoert), Seeigel (nicht getraut, richtig reinzubeissen, sodass ich was geschmeckt haette, weil meine Eltern mich schon gewarnt hatten), das digitale Woerterbuch sagte "eine Art Winde, die nachts aufblueht" (fein), Lachskaviar, Thunfisch, Meeraal, Schnepfenaal und Kabeljau, der sakura(typ.jap.Kirschblueten)-farben gefaerbt und mit Zucker gesuesst ist und natuerlich Krabben jeglicher Art. Obwohl ich mich in Deutschland sehr zieren kann, was Essen abgeht, haben wir eigentlich alles probiert und es gemocht, und ich moechte an dieser Stelle nochmal betonen, dass alles roh war...! Zur Nachspeise bekam ich dann noch Gruener Tee-Eis mit suessen roten Bohnen (Akusi), was den Abend fuer mich noch abgerundet hat. Dem Max ging es nach dem Essen allerdings leider nicht mehr so gut und er verflucht den letzten Happen Thunfisch...



3. August
Gestern wollte Ayako mit uns nach Kamakura, eine kleine Stadt wenig suedlich von Tokyo, fahren, hat sich aber in uebertriebener Eile ihren Zeh so am Fahrrad angehauen, dass sie nicht mit uns mit gefahren ist, sondern ins Krankenhaus...das war also das erste Mal, dass wir ohne exakte Beschreibung von Ayako in diesem riesigen, unuebersichtlichen U-Bahnnetz unterwegs waren, aber ich muss erwaehnen, dass wir uns nicht immer, wenn auch nicht absichtlich, an ihren Plan gehalten haben, und trotzdem immer nur wenig verspaetet ankamen (worauf wir sehr stolz sind). Nach einem Streit ueber mehr oder weniger nebensaechliche Kleinigkeiten (unser erster!!!) ging es uns (auch mit einander) sehr gut in Kamakura, und neben den beeindruckenden alten Tempeln, fand ich den riesigen Buddha tief bewegend, wirklich, aber genaueres wuerde jetzt wohl zu weit gehen.



Zurueck in Tokyo hat uns Ayako zu ihrer Mutter gelotst, die nicht bei ihr wohnt, sondern in einer kleinen Wohnung, neben 4 Autostrassen, die uebereinander verlaufen, aber trotzdem sehr gemuetlich lebt, wahrscheinlich wegen ihrer Art. Das Essen war wiedermal fantastisch, vermutlich auch fuer nicht so abenteuerlustige Europaeer und wir haben uns gefreut, auch mal in einem Zuhause zu kriegen, weil das noch mal authentischer ist. Die Mutter war sehr freundlich und hat viel gelacht und vor allem alles verstanden, was wir auf Englisch gesprochen haben, was bei den Japanern nicht altaeglich ist.

5. August, Nagoya
So, mal wieder ein vertrautes Gesicht, ausser das vom Max. Wir sind nach einer irgendwie schrecklichen, weil im Bus verbrachten, Nacht um 5:40 in Nagoya angekommen und wurden dann bald vom lieben Markus (der hier ein Jahr lang studiert und seit April hier ist) abgeholt. Ein bisschen haben wir gefruehstueckt und die Stadt angeschaut und jetzt habe ich endlich die Gelegenheit und Zeit, meinen Bericht an Euch weiterzugeben. Sein Zimmer hier im Studentenwohnheim hat sogar ein Mini-Bad und ist ziemlich geraeumig, wenn man japanische Normen im Kopf hat; fuer drei Leute wird es allerdings gemuetlich, aber das ist ja auch mal ganz nett und vielleicht stellen wir den Schreibtisch noch auf den Balkon. Die Moeglichkeit heute Abend noch Karaoke zu „machen“ nehmen wir wohl nicht wahr, sondern unterhalten uns lieber beim Abendessen mit einem Singapurianer, wenn ich ihn so nennen darf, und sind somit auch fitter fuer morgen: in der Frueh geht es dann auf nach Kyoto und dank Markus streunen wir vermutlich diesmal ein bisschen organisierter durch die asiatische Kultur...
Noch zu gestern: nachdem wir uns frueh von Ayako verabschiedet haben, haben wir uns auf die Suche nach einem „10 min, 1000 Yen“-Shop gemacht, in dem der Max sich die Haare hat abschneiden lassen, was sehr witzig war, denn er hat sich ja nur mit Gesten artikulieren koennen...





Wieder mal etwas zu spaet trafen wir dann Manami, meine japanisch-honduranische Schwester, die ich ja seit ueber 2 Jahren nicht mehr gesehen hatte und brachten unser Gepaeck erst mal zu ihr. Leider stellte sich heraus, dass sowohl die Landjaeger, als auch die 2 Viertel doppeltgebackenes Sonnenbauernbrot und das Laiberl Vintschkauer geschimmelt waren, obwohl meine liebe Mutter sie sorfältig eingepackt hatte. Das muss an der uebermässigen Hitze und Luftfeuchtigkeit liegen (gestern hatte es 35°, heute ist es noch heisser) und jetzt ist leider das Geschleppe einige meiner Gastgeschenke umsonst gewesen, aber Markus meint, die Idee zaehlt auch und schliesslich hat der ja noch die Weisswuerste aus der Dose mit Senf...
Na ja, jedenfalls sind wir dann an Tokoys „beach“ gefahren, was nicht sehr aufregend, aber ganz nett war, obwohl man naterlich nicht auf die Idee kommen wuerde, dort baden zu wollen. Gleich dort sahen wir das 2. Hoechste Riesenrad der Welt, fuhren aber dann weiter nach Odeiba, das Hafenviertel der Stadt mit der so genannten Rainbow-bridge, die allerdings entgegen unserer Erwartungen kein bisschen farbig war. Dafuer wurde die Skyline bei zunehmender Dunkelheit auch immer schoener und die Zeit mit Manami konnte ich sehr geniessen, obwohl wir nicht viel geredet haben, aber nach so langer Zeit, in der man sich fast nicht gesprochen hat und das nachdem wir 4 Monate im gleichen Zimmer gewohnt haben...es gibt nicht viel zu sagen und die Verbindung ist trotzdem da. Das genoss ich sehr. Zum Abendessen sind wir in das japanische Pendant zu McDonalds gegangen und haben Reis mit Fleisch gegessen, was erstaunlich gut war. Zum „Desato“, japanisch fuer Desert lud uns Manami zu einem gemeinsamen riesigen Eisbecher mit Fruechten und Sahne in eines direkt beim Fluss gelegenen Malls ein, in die die Platform mit dem besten Blick integriert sind. Anschliessend fuhren wir gemeinsam zurueck nach Shinjyuku, wo wir unseren Nachtbus nehmen sollten und obwohl wir nach dem Friseur in die Gegend gegangen sind, um es abends schneller zu finden, waeren wir hoffnungslos aufgeschmissen gewesen, wenn sich Manami nicht durch gefragt haette; entgegen dem Image und den Erfahrungen, die wir mit japanischer Organisation bisher gemacht haben, lief die Abfertigung total provisorisch ab, mitten im Businessviertel haben die Leute Klapptische aufgestellt und die Passagiere auf ausgedruckten Listen durchgestrichen. Wir bekamen eine Nummer, die dann ausgerufen wurde und dem Mann mit dem Lautsprecher folgten wir um die Ecke zum Bus, dem Schlafplatz unserer unruhigen Nacht.
Hoffe, Euch allen geht es mindestens so gut wie mir, nur dass ihr vielleicht noch mehr Schlaf kriegt...ich leg mich jetzt noch mal hin.
Matane und liebe Gruesse!
clara


This page is powered by Blogger. Isn't yours?